24.10. – 26.10.2022 Südpazifik

Schnell verschwindet Pitcairn achteraus. Wir werden diese freundlichen Menschen in Erinnerung behalten. Auf uns wirkte die gesamte Inselbevölkerung wie eine große Familie, was sie ja auch genetisch gesehen größtenteils ist.

Vor uns liegen nun nur noch knapp 300 Meilen, welche Dank der nun endlich moderaten Welle, der günstigen Winde und des nun auch wieder hochseetauglichen Vorstags schnell und entspannt bewältigt werden.

Zweiter Tag auf See, es ist 5.45 Uhr! Fast wie aus dem Nichts taucht im ersten Morgenlicht das flache und unbewohnte Atoll Temoe auf. Unbewohnt? Auf einmal umkreisen uns sehr neugierige Tölpel, Sturmtaucher und auch eine 4-köpfige Gruppe von Fregatt-Vögeln. Für Letztere passte anscheinend unser Anemometer auf dem Mast mit dem sich drehenden Windrad in ihr Beuteschema und die Herrschaften fliegen in immer engeren Kreisen um unsere Mastspitze herum und starten Angriffe. Lautes Händeklatschen, Rufen und ruckartige Steuerbewegungen, um die Mastspitze aus der Gefahrenzone herauszubringen, stacheln ihr Interesse nur noch mehr an.

Eine kurze Zwischenbemerkung

Liebe Fregatt-Vögel! In großer Zahl lernten wir euch auf der Karibik-Insel Barbuda kennen. Etwas peinlich berührt sahen wir, wie euer männlicher Anteil lediglich durch das Aufplustern des roten Halsanteils Paarungsbereitschaft signalisiert und dann geduldig wartet, bis ein mitleidiges Weibchen ihn mit nach Hause nimmt, statt sich – wie anständige Männer das tun – um die Frauen zu prügeln. Gut! Haben wir so hingenommen.

Dass ihr den jagdtechnisch gesehen viel geschickteren Tölpeln, wie auf den Abrolhos erlebt, beim Füttern ihrer Jungen versucht, das Futter zu entreißen: Das ist schon etwas schäbig, oder?

Wenn ihr aber jetzt noch unser Anemometer zerstört, dann ist es mit der Freundschaft vorbei. Dann wird zurückgeschossen!

Ende der Zwischenbemerkung

Beschämt senken die Herrschaften ihre Köpfe und ziehen ab.

Nun tauchen auch schon am Horizont die Gambier-Inseln auf. Wir schlüpfen über den Süd-West-Pass in die Lagune ein und am Nachmittag fällt unser Anker vor der Hauptinsel Mangareva mit dem Ort Rikitea. Ach, wie schön ist das hier alles. Das Wasser ist blau und die Berge sind tiefgrün. Und vor allem ist der Ankerplatz durch die überall vorgelagerten Riffe so ruhig wie noch nie in den letzten Monaten.

27.10. – 07.11.2022 Gambiers, Französisch Polynesien

Am nächsten Morgen wagen wir nun auch den ersten Landgang. Sehr locker und freundlich werden wir von der Gendarmerie empfangen. Dank Corona waren ja schon lange keine Segelboote mehr hier und so ist man sich etwas unschlüssig, was zu tun ist. In den nächsten Tagen werden wir noch mehrfach beim Vorbeigehen in das Büro gebeten um noch ein vergessenes weiteres Formular auszufüllen. Im Endeffekt dürften wir jetzt 2 Jahre hierbleiben, was uns sehr beruhigend vorkommt.

Auch die wohl überwiegend polynesischen Einwohner des Dorfes sind sehr freundlich und wir fühlen uns sofort wohl hier. Anscheinend sind wir im Paradies gelandet und dass es im Paradies erst einmal kein Internet und auch Dank des defekten Bankautomaten kein Bargeld gibt, muss man dann halt hinnehmen. Bargeld gibt es dann wieder irgendwann, Internet bleibt ein dauerhaftes Problem. Einen Vormittag verbringen wir in einem Büro des Gemeindeamtes und werden von der netten Kollegin nicht nur mit einem – wie überall hier sehr langsamen- Internetzugang, sondern auch mit Crepes und Kaffee versorgt. Wir sind erst einmal sehr froh, mit der Familie zu Hause Kontakt aufnehmen zu können, war doch schon auf Rapa Nui und Pitcairn diese Möglichkeit erheblich eingeschränkt.

Büro im Gemeindeamt

Die vulkanisch entstandenen Gambier-Inseln bestehen aus ca. 9 größeren und vielen kleineren Inseln, welche durch ein Riff umgeben sind, das als Wellenbrecher für die Pazifik-Welle ruhige Verhältnisse in der Lagune schafft. Weiterhin bieten die hohen Berge vor dem manchmal kräftigeren Wind reichlich Schutz. Dank der östlichen Lage ist auch die Zyklon-Gefahr für die Sommermonate eher gering. Den letzten Wirbelsturm hatte es in den 70er Jahren des letzten Jahrtausends gegeben. Da die Zyklon-Saison nun im November beginnt, können wir also hier erst einmal verschnaufen.

Aber nicht nur die relative Sicherheit, sondern auch die wunderbare Natur macht den Reiz der Inselgruppe aus. Wir durchwandern die Hauptinsel Mangareva, haben wunderbare Ausblicke von den Berggipfeln, klettern den Gebirgspass entlang, welcher zeitweise so halsbrecherisch verläuft, dass man sich an vorhandenen Seilen hoch- oder hinabhangeln muss und genießen das reichlich vorhandene Obst, welches meist am Wegesrand wächst. Grapefruits, Bananen, Litchis, Orangen, Limetten, Mangos, Papayas: Alles ist reichlich vorhanden und wir bekommen ungefragt so viel Obst geschenkt, dass wir uns zeitweise fast nur noch von den immer massenhaft reifenden Bananen ernähren. Nach so vielen Tagen auf See, zumeist ohne frisches Obst und Gemüse, ein Genuss!

Auch auf der Nachbarinsel Aukena, wo wir ein paar Tage vor Anker liegen, geht es uns genauso. Schwer beladen kehren wir nach einem Spaziergang wieder zurück. Anspruchsvoll ist jedoch das Navigieren zwischen den Inseln. Haupteinnahmequelle ist für die Bevölkerung in dieser Gegend die Perlenzucht. Die dafür nötigen Zuchtanlagen werden über das ganze Riff verteilt und durch eine Boje markiert. Somit ist ständig ein Besatzungsmitglied damit beschäftigt, bei der Fahrt durch das Riff nicht nur nach Korallenbänken, die meist ungenau in den Karten markiert sind Ausschau zu halten, sondern vor allem muss der Steuermann um die unendliche Zahl von Bojen gelotst werden. Spannend!

Das Nachtleben in Rikitea lässt etwas zu wünschen übrig! Es gibt 3 Restaurants, welche in der Woche nur mittags (nicht unsere favorisierte Essenszeit) geöffnet haben. Am Wochenende öffnet dann jedoch ein Restaurant auch am Abend. Allerdings sitzen wir dann immer alleine an einem der freien Tische, während viele Dorfbewohner sich ihr Essen verpackt nach Hause holen. Eigentlich schade!

Schnell lernen wir aber trotzdem Menschen näher kennen. Bernard und Marie, die uns auf Aukena mit Früchten beschenkten, besuchen uns am nächsten Tage auf dem Boot zu Kaffee und Kuchen.

In Rikitea lernen wir Juilette und Titouan kennen, zwei französische Segler, die sich entschieden hatten hierzubleiben und uns mit einem weiteren Internetzugang und vielen nützlichen Tipps versorgen. Eine weitere wichtige Persönlichkeit für uns im Ort ist Fritz!

Fritz ist Deutscher, landete aber in jungen Jahren in der Fremdenlegion und blieb hier in Rikitea hängen. Seine polynesische Ehefrau ist leider vor vielen Jahren gestorben und so lebt er hier umsorgt von seinen 6 Töchtern und vielen Enkeltöchtern (tatsächlich haben wir nur einen weiteren Mann in Form eines Ehemannes hier angetroffen). Auch Fritz kann uns in seiner Funktion als Transocean-Kontaktperson viele nützliche Tipps geben. Wir verbringen viel Zeit gemeinsam und konnten so auch unser Repertoire an deutschen Schlagern der 50er und 60er Jahre auffrischen. 

Pitcairn 22.10.22 – 25.10.22

Pitcairn

6 Meilen vor Pitcairn ist es dann 8:00 Uhr. Eine humane Zeit, um Funkkontakt mit der Insel aufzunehmen, finden wir.

Welcome to Pitcairn ertönt eine freundliche Stimme. Bounty Bay might be a bit choppy right now but go around the corner and try West Harbour.

Die sympathische Stimme überwältigt uns. Wir sind gerührt. Die ganze Anspannung der letzten Tage war doch stark und fällt schlagartig ab.

Rasant bringen uns Wind und Welle um die Nordostseite Pitcairns in die Ankerbucht Tedside bei West Harbour. Auf 18 Meter fällt der Anker.

Weitere Instruktionen folgen. Landing Fee pro Person 100 Dollar, Tenderservice weitere 100 Dollar. Autsch! Das tut weh, aber jetzt nicht an Land zu gehen wäre gar zu blöd.

Notgedrungen willigen wir ein und nehmen ebenfalls den Abholservice in Anspruch, nachdem wir einen Blick auf die tosende Brandung geworfen haben.

Die Zeit reicht gerade so, um die Papiere zusammenzupacken, da rauscht Randy auch schon mit Tochter an.

Mit seinem 25 PS starken Außenborder geht es mit Vollgas zur Bounty Bay ( unser Außenborder hat 4 PS).

Bounty Bay

Wir fliegen über die Dünung und bekommen Salzwasserduschen gratis. Vor der Hafeneinfahrt reduziert Randy die Geschwindigkeit, prüft die heranrauschenden Wellen, gibt Gas, und wir surfen auf dem Wellenkamm in den Hafen. Ein galanter Schlenker und schon befinden wir uns an der Betonmole und springen an Land. Noch wackelig auf den Beinen schauen wir den bereitstehenden Helfern zu, die in Windeseile, mit Hilfe eines Krans, das Boot aus dem Wasser ziehen, damit es nicht von den Wellen an der Mole zerquetscht wird. Randy fragt, ob wir eine Obst,- und Gemüsekiste benötigen und verspricht, diese bei der Rückfahrt bereitstellen. Dann reicht er uns an die nächste Stelle weiter.

An einem Klapptisch werden wir von Brenda (Immigration) und einem Polizeibeamten abgefertigt.  Wir bekommen eine Broschüre über die Insel in die Hand gedrückt und eine Begrüßungskette umgehängt. Dann werden die Pässe mit Ein,- und Ausreisestempel versehen, mit der Bitte das Datum der Ausreise selber einzutragen.

Weiter geht es mit Brendas Quadbike nach Adamstown, dem einzigen Ort der Insel. Eine Dame kommt angefahren und öffnet uns den Gemischtwarenladen. Nur für uns, denn eigentlich hat der Laden nur an zwei Tagen in der Woche auf und das ist nicht heute. Wir sollen uns umschauen. Von Lebensmittel, Bekleidung, Küchenwaren, Saatgut bis hin zu Eisenwaren ist hier alles zu finden.  Überfordert mit dem Angebot erstehen wir dann ein bisschen Butter und Käse. Die Preise sind gesalzen. Alkohol soll günstig sein, sagt man zu uns. Den brauchen wir aber gerade nicht.

Im Immigrationsbüro gleich nebenan zahlen wir dann die Gesamtkosten von Einkauf, Einreisegebühren und Gemüsekiste von Randy. Wir staunen über die Organisation.

Immigrationsbüro

Brenda taucht derweil in den Job des Fremdenführers ein und fährt mit uns zum Museum. Auch dieses wird extra für uns aufgeschlossen. Wir sind wohl auch die einzigen Touristen.

Bountynachbau

Zu den Exponaten gehören u.a. die weltberühmten Briefmarken, die Sammler überall auf der Welt begeistern. Der Verkauf der Briefmarken ist eine der Haupteinnahmequellen der Insel. Überreste der Bounty sind hier selbstverständlich auch zu finden. Der erst im Jahre 1957 geborgene Anker befindet sich auf dem Dorfplatz vor dem Museum.

Anker der Bounty

Die 42 Inselbewohner  sind fast alles Nachkommen der Meuterer der Bounty, die unter der Führung von Fletcher Christian 1790 mit sechs polynesischen Männern, zwölf polynesischen Frauen und einem weiblichen Baby auf die Insel kamen.

So auch Brenda Christian, Nachkomme in der 6. Generation.
Brenda bietet uns an, die Sehenswürdigkeiten mit dem Quad zu besichtigen. Da die Zeit etwas knapp ist, wir nicht wissen, ob wir, bedingt durch die schwierigen Wetterbedingungen, nochmal an Land kommen können, nehmen wir das Angebot dankend an.

Das Quadbike ist das Fortbewegungsmittel auf der Insel. Hier geht man nicht zu Fuß, sondern fährt mit den Bikes die staubigen Wege auf und ab.

An ihrem Wohnhaus sammeln wir ihren Mann ein, dann geht es mit zwei Bikes über die 3,2 km lange und 1,6km breite Insel. Traumhafte Blicke über die Insel und den Pazifik erhaschen wir von den Aussichtspunkten Highest Point und Tedside. Der kurze Blick aufs Boot lässt uns beruhigend aufatmen. Haus ist noch da!

Dann statten wir der einzigen überlebenden, von fünf Galapagos Riesenschildkröten, einen Besuch ab. Irving Johnson, Kapitän der Yankee, brachte sie zwischen 1937 und 1951 auf die Insel.

Mr. Turpen, die Schildkröte, findet gelegentlich seinen Weg in die Gärten, entgegen er seinem Ruf langsam zu sein, kann er in kürzester Zeit die Gemüsebeete zerstören, sehr zum Leid der Besitzer.  Wird Mr. Turpen dort gesichtet, wird er mit Hilfe eines Traktors, zurück nach Tedside geschafft.

Die Schutzverordnung sieht eine 60-tägige Gefängnisstrafe vor, für den Fall das jemand die Schildkröte tötet, verletzt gefangen nimmt oder ihr Leid zufügen sollte.

Der letzte Programmpunkt ist das Grab von John Adams,  der letzte überlebende Meuterer, dann müssen wir zurück zum Hafen. Randy wartet.

John Adams Grab

Viele Eindrücke nehmen wir mit an Bord. Wir sind uns einig. Pitcairn, die kleine vulkanische Insel mit den äußerst freundlichen Einwohnern ist schon was ganz besonderes.

Ans Verlassen des Bootes ist am nächsten Tag nicht zu denken. Es herrscht Starkwind und die Wellen lassen Esmeralda wieder tanzen. Wir nutzen die Zeit für Reparaturen.

Warum endet die Liste eigentlich nie?

Die Optimierungsreparatur der Halterung der Rollreffanlage und des Vorstags sparen wir uns für den darauffolgenden Tag auf, da der Wind dann nachlassen wird.

Das Ergebnis lässt sich sehen und macht einen robusteren Eindruck als vorher.

Am Nachmittag wollen wir nochmal an Land um das Internet zu nutzen. Randy hat uns eine Anlegestelle, in unserer Ankerbucht gezeigt, die wir gut mit dem eigenen Dinghi erreichen können.  Von dort holt uns Randys Frau Carol ab und bringt uns ins Dorf. Das Internet ist  leider zu schwach und wir geben nach einiger Zeit entnervt auf.

Liebe Leser! Wir bitten um Geduld und Verständnis. Höhere Gewalt lässt eine schnelle Aktualisierung des Blogs im Moment leider nicht zu.

Wir schlendern zum Elternhaus von Carol, wo wir schon erwartet werden. Bei Kaffee und Keksen erzählt uns Carols Mutter von den Kreuzfahrtschiffen, die mehrfach im Jahr vor Pitcairn anlegen. So ein Tag ist für sie wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Endlich mal was los, sagt sie. Andere Gesichter sehen eine ganze Menge selbstgemachte Handwerkskunst wird verkauft. Von diesen Einnahmen können die Bewohner gut leben.

Dann erzählt sie uns von ihren Enkelkindern. Sie sind in Neuseeland, um dort weiterführende Schulen zu besuchen. Auf Pitcairn gibt es nur die Grundschule. Danach müssen die Kinder nach Neuseeland. Oftmals kehren sie nach der Ausbildung nicht wieder auf die Insel zurück. So erklärt sich der Altersdurchschnitt auf der Insel, der eher im mittleren bis älteren Bereich liegt.

Dafür halten sie aber alle zusammen. Der Glaube der Siebenten-Tags-Adventisten Religion trägt dazu bei.

Für uns ist es nun Zeit zu gehen und Carol bringt uns zurück zur Bucht. Herzlich verabschieden wir uns voneinander, bevor wir ins Dinghi steigen und in der schon wieder hohen Brandung entschwinden.