Französisch-Polynesien

14.12.22 – 20.01.23  Gambiers, Marquesas

Um die müden Seglerbeine wieder etwas aufzuwecken, gehen wir relativ regelmäßig joggen. Eines Abends hören wir unterwegs ein klägliches Maunzen und wir finden 3 halbverhungerte Babykatzen mitten im Wald. Da keine Mutter auffindbar ist, sind diese vermutlich ausgesetzt worden und uns bleibt keine Wahl: Wir nehmen sie mit!

Allerdings können wir sie nicht mit an Bord nehmen (Was soll das werden?), sondern bauen ihnen ein Nest am Dinghy-Anleger, füttern sie und hoffen, dass sich eine Lösung finden wird. Die findet sich dann tatsächlich. Juliette und Titouan, zwei freundliche Franzosen, welche sich mit einem Bootsservice um die Gastsegler kümmern, übernehmen die 3 Vagabunden und finden tatsächlich auch ein neues Zuhause für die Herrschaften, Facebook sei Dank. Aber solange sie noch Gäste des „Yachtservice Rikitea“ sind, können wir jeden Tag mit ihnen spielen.

Das Weihnachtsfest verbringen wir ankernd vor Rikitea. Einerseits wollen wir uns in Erwartung einer fröhlichen Sangesrunde den Gottesdienst in der hiesigen Kirche ansehen und andererseits hat die deutschsprachige Gemeinde (SY Lupina aus der Schweiz, SY Limelight aus Deutschland und Esmeralda) beschlossen, am 25.12. ein gemeinsames Weihnachtsessen zu zelebrieren.

Weihnachtsstimmung auf der Esmeralda

Der Gottesdienst ist eindrucksvoll: Ganz Rikitea, sogar die etwas missmutig aussehende Jugend, die sich die Zeit mit Internetrecherchen vertreibt, ist erschienen. Es wird tatsächlich viel gesungen, jedoch für unsere Verhältnisse recht trivial schlagerartig, so dass die romantische Stimmung für Weihnachten nicht zu finden ist. Sogar klassische europäische Weihnachtslieder klingen, als sollten sie einer Wertung in der ZDF-Hitparade (Gibt es die eigentlich noch?) standhalten. Dies wird jedoch alles wieder durch das Dinner for six am nächsten Abend ausgeglichen. Eine schöne Runde mit Menschen, die sich sofort recht nahe sind und dazu ein köstliches Mahl! Und weil es so schön ist, beschließen wir eine Wiederholung am letzten Tage des Jahres, diesmal jedoch auf der Insel Taravai. Wir hatten bereits beschlossen gehabt, die nächsten Tage in unserer Lieblingsbucht, der Baie Onemea auf der Westseite von Taravai zu verbringen und so kommt dies uns sehr entgegen.

Baie Onemea

Nach der großen Einsamkeit in der Bucht mit klassischem Kokospalmenstrand, fischreichem Riff und reichlich türkisblauem Wasser ziehen wir am 31.12. dann auf die Ostseite der Insel mit der völlig überdimensionierten Kirche und den 2 Familien, die hier leben.

Hier treffen wir nicht nur auf unsere Freunde, sondern können auch Valerie und Herve, die freundlichen Inselbewohner, wiedersehen. Bevor die eigentlichen Festivitäten an Bord beginnen, kommen wir an Land bei den beiden zusammen und trinken gemeinsam ein paar Gläschen. Für den nächsten Tag werden wir eingeladen zum Neujahrsempfang, welcher sportlich mit einem Boule,- und Volleyballspiel in internationaler Besetzung und natürlich einem Essen (Potluck: Jeder bringt gefälligst was mit!) seinen würdigen Rahmen finden soll.

Doch jetzt beginnt erst einmal die Seglerparty, welche in Form eines 3-Boote-Turnier ablaufen soll: Vorspeise auf der Esmeralda, Hauptgericht auf Limelight und Dessert auf der Lupina. Alle haben sich etwas Besonderes ausgedacht und dazu gibt es natürlich wechselnde Cocktails und ähnliche Getränke. An den nächsten Morgen denkt man nicht…

Statt eines Feuerwerks hat sich der große Weltenlenker heute ein Mitternachtswetterleuchten ausgedacht. Unter dem fast wolkenlosen Sternenhimmel sind wir von dem Schauspiel schwer beeindruckt! 

Am nächsten Tage können wir noch eine Großfamilie aus Rikitea begrüßen und dann wird es ernst: Volleyball! Die Esmeralda-Crew ist aus verschiedenen Gründen etwas untrainiert, hat aber Spaß wie alle anderen auch.

Wieder zurück vor Rikitea beginnen nun die Planungen für die Weiterfahrt zu den Marquesas. Für die 800 Meilen (ca. eine Woche auf See) gilt es, dem gerade wieder recht dürftigen Angebot – das Versorgungsschiff war vor 3 Wochen das letzte Mal hier – das unbedingt Notwendige abzuringen. Bestes Trinkwasser und Obst (Bananen, Papayas und Mangos) sind dagegen problemlos zu bekommen: Bei einer unserer Wanderungen hält mal wieder ein freundlicher Einwohner in seinem Auto neben uns und erntet eine riesige Bananenstaude für uns auf seinem Grundstück. Mangos und Papayas wachsen wild und für Trinkwasser gibt es einen öffentlichen Zugang.

Wasserstelle in Rikitea

Am Sonntag dem 8.1. ist es dann soweit. Wir verabschieden uns von unseren Freunden und verlassen das Riff der Gambier-Inseln über den westlichen Pass. Da der Wind fast die gesamte Woche über aus nordöstlichen Richtungen weht, unser Ziel aber nord-nordwestlich von uns liegt, sind wir auf einem moderaten Am-Wind-Kurs unterwegs. An die Unruhe im Schiff, ausgelöst durch die von voraus auftreffende Pazifikwelle, muss man sich erst wieder gewöhnen, aber bald sind wir in unserem Rhythmus und können uns entspannen. Die Hauptarbeit, das Steuern, muss wie immer unser Aschenputtel, die Windsteuerung, übernehmen.  Regelmäßig wird die dritte Person an Bord zum Mitarbeiter des Monats gewählt. Sie isst nicht, trinkt nicht, redet kein dummes Zeug und verbraucht nicht mal Strom. Nur Wind und hin und wieder etwas Zuwendung wird erbeten. Da es eventuell an letzterem fehlte, macht sie derzeit etwas viel Geräusche und hat etwas zu viel Spiel im Hauptgelenk, verrichtet ihre Arbeit aber trotzdem ohne Beanstandungen. Sicherlich muss hier ein Verschleißteil ausgewechselt werden und wir nehmen uns vor, Peter Foerthmann (Firma Windpilot), dem „Dr. Frankenstein“, der diese Kreaturen in Serie fertigt, mal um Rat zu fragen. Übrigens ist die menschliche Bindung zu diesen Wesen auf vielen Schiffen so intensiv, dass man der Windsteuerung in der Regel auch einen Namen verleiht. Dem konnten wir uns natürlich auch nicht verschließen und wir haben der Windsteuerung den Namen „Windsteuerung“ verpasst!

Die Windsteuerung

Am Sonntag dem 15.1. liegt dann gut sichtbar die südlichste Insel der Marquesas, Fatu Hiva, voraus. Schon bald fällt der Anker in der Baie Omoa! Wir sind sehr glücklich, die 800 Meilen so entspannt und ohne größere Probleme hinter uns gebracht zu haben.

Die Natur wirkt hier etwas wild-romantischer, die Berge sind höher und steiler als die der Gambier-Inseln. Aber die Menschen sind sicherlich genauso freundlich! Wir werden wieder schnell reichlich beschenkt und schon bald ist das Boot aufgefüllt mit frischem Obst. Pampelmusen, Bananen, Mangos und Limetten wachsen überall im Überfluss.

Thor Heyerdahl lebte übrigens hier ein paar Jahre mit seiner Frau. Kurz danach startete er seine KonTiki-Expedition. Leider findet sich kein Hinweis diesbezüglich. Schade!

Nachdem sich der starke Ostwind mit heftigen Fallböen etwas gelegt hat, können wir das Boot etwas beruhigter zurücklassen und die Insel zu Fuß erkunden. Der 2. Ort der Insel, Hanavave, liegt zwar Luftlinie nur wenige Kilometer entfernt, jedoch muss auf dem Landweg die Gebirgskette erklommen werden. So streckt sich die Wanderung auf jeweils 17km für den Hin- und Rückweg. Die erste Hälfte geht es steil bergauf, die 2. Hälfte dementsprechend wieder abwärts, da 660 Höhenmeter überwunden werden müssen.

Weil nun auch noch berstende Hitze herrscht, verschaffen wir uns etwas Erleichterung: Einen Teil des Hinweges trampen wir und geraten so an den ca. 150kg-schweren Dorfpolizisten, welcher alles aus seinem Pick-Up herausholt um seinen letzten Rekord für die Strecke Omao-Hanavave zu brechen. Welch ein Abenteuer! Am Ziel ist uns ein wenig übel. Hanavave ist ein ähnlich schmuckes Dorf mit freundlichen Einwohnern wie Omoa. Immer wieder fragt man uns nach dem Woher und Wohin. Lange halten wir uns dort jedoch nicht auf: Nun, wo wir schon einmal die Schrecknisse des Heimweges auf dem Hinweg sehen durften, planen wir doch etwas mehr Zeit ein. Es ist natürlich anstrengend, aber die wunderbaren Ausblicke und die grandiose Natur machen alles wieder wett.

Am Abend sind wir mit unseren niederländischen Anker-Nachbarn zum Essen in der hiesigen Bar verabredet. 

Besitzer unserer Stammkneipe

Bei nun endlich auch mal polynesischer Küche und gutem Hinano-Bier aus Tahiti führen wir die doch meist sich ähnelnden Segelgespräche über Boote und Reiseziele. Ein schöner Abend!

Fatu Hiva ist eine wunderschöne Insel. Unser einziges Problem hier ist der ewige Schwell, welcher das Boot in Dauerbewegung hält. Anders als die Gambier-Inseln, wo ein Außenriff die Inselwelt vor der Pazifikwelle schützt, können hier die Naturgewalten ungebremst wirken. Trotz windgeschützter Lage im Westen entsteht eine konfuse Kreuzsee aus verschiedenen Richtungen, so dass es manchmal an Bord etwas ungemütlich wird. Somit wird ein demokratischer Mehrheitsbeschluss gefasst, am 21. Januar zur Nachbarinsel Tahuata weiterzuziehen.

Omoa

08.11-14.12.22  Gambier-Inseln, Französisch-Polynesien

Viel passiert ist nicht in den vergangenen Tagen. Unser Hauptankerplatz ist Rikitea, die „Hauptstadt“ der Inselgruppe. Hier kann man ein sehr begrenztes Warenangebot in den kleinen Einkaufsläden erstehen, es gibt sportliche Wandermöglichkeiten auf teilweise sehr steilen Wegen und mit den nach und nach auftauchenden neuen Segelbooten ergeben sich meist sehr interessante Kontakte.

Segler aus Frankreich und der Schweiz

Fast alle Boote, die zumeist von den nördlicher gelegenen Tuamotus und den Marquesas kommen, wollen weiter nach Chile/Patagonien. Wir dagegen wollen zu den Marquesas und so profitiert jeder vom Spezialwissen des anderen.

Recht nebulös gestaltet sich die Suche nach dem sagenhaften Baguette, was im Ort irgendwann und irgendwo verkauft werden soll. Tauchen wir in den einschlägigen Läden morgens auf, ist es anscheinend immer bereits ausverkauft. Man muss dazu sagen, dass das Leben im Ort auf merkwürdige Weise bereits am frühesten Morgen beginnt. Die Sonne erscheint entsprechend der hier etwas unpassenden polynesischen Zeit bereits um 4 Uhr morgens und verabschiedet sich dann auch schon wieder gegen 18.30 Uhr. Diesem Rhythmus hat man sich angepasst und so knattern die Mopeds bereits ab 4-5 Uhr durch die Gegend. Deshalb sind dann manchmal die Backwaren gegen 6 Uhr, wenn wir auf der Bildfläche erscheinen, ausverkauft und die Bordbackstube wird angeheizt. Hin und wieder gelingt es aber doch: Seltsamerweise werden auch wir zwischen 5 und 6 Uhr wach und wenn man dann gleich ins Dinghy springt und zum jetzt noch geöffneten „Bäcker“ (eine garagenartige Halle) rudert, hat man gelegentlich noch eine Chance.

Alle anderen Produkte, die der Einzelhandel für den anspruchsvollen Segler bereithält, sind allerdings so teuer, dass es etwas schmerzt. Zum Beispiel kostet eine Flasche Wein zwischen 20-40 Euro, ein kleines Stück Industriekäse ca. 8 Euro und ein Kilo Kartoffeln 6 Euro. In der Gesamtkalkulation geht das aber schon irgendwie klar, da es an jeglichen Möglichkeiten mangelt, sein Geld für nächtliche Ausschweifungen aus dem Bordfenster zu werfen.  Außerdem erleben wir immer wieder die Vorzüge polynesischer Freude am Schenken. Der Gipfel diesbezüglich war ein Fischer, der uns beim Abendspaziergang heranwinkte und uns einen riesigen Thunfisch schenkte. Er war nicht zu bewegen, hierfür Geld anzunehmen. So freuten wir uns und teilten brüderlich mit unseren kanadischen Nachbarn. Für drei Tage war die eher vegetarische Kost an Bord des Segelschiffes Esmeralda durch Thunfisch in allen Darreichungsformen aufgebessert. Ansonsten gestaltet sich die Bordküche wegen der begrenzten Möglichkeiten erfinderisch: Aus grünen unreifen Papayas kann man einen schmackhaften weißkohlähnlichen Salat basteln. Saure, unreife Mangos verwandeln sich in Chutney und Bananen, die man immer staudenweise kauft bzw. bekommt und somit sich an wenigen Tagen inflationär Bananenberge bilden, kann man braten, trinken und sogar roh essen! Aus den überall wachsenden und damit auch herumliegenden Limetten kann man Limonade und Dressings herstellen und besonders freuten wir uns über die fast erdbeergroßen Himbeeren im Wald, aus welchen Marmelade gekocht wurde.

Aber es wird auch anderweitig volkswirtschaftlich wichtige Arbeit an Bord verrichtet! Durch die hohe Feuchtigkeit und die niedrigen Temperaturen (Kältebrücken!) in Patagonien, hatte sich unser bisher so freundlicher Salon (der Innenraum) in eine finstere Höhle verwandelt. Das nasse Holz dunkelte nach und wurde sogar an einigen Stellen wellig.  Noch in Valdivia hatten wir Lack gekauft und nun, nachdem jegliche Feuchtigkeit sich in der südpazifischen Luft aufgelöst hatte, wurde geschliffen und gestrichen.

Allerdings erwiesen sich die vom Fachmann empfohlene Gallone PUR-Lack als mengenmäßig deutlich übertrieben. Auch nach Streichen fast sämtlicher Holzflächen an Bord (einschließlich Bodenbretter) ist die Büchse immer noch fast voll, so dass selbige sich über ein weiteres Mitreisen auf dem Segelboot Esmeralda freuen kann. Und die Besatzung freute sich nach mehr als einer Woche Baustelle, Farbgeruch und klebriger Hände über ein wieder freundliches Innenleben (des Bootes).

Aber da wir auch manchmal aus dem tristen Alltag ausbrechen müssen, besuchen wir weitere Nachbarinseln des Gambier-Archipels. Die Flughafeninsel Totegegie (hier landet nur 1-2x pro Woche ein Flugzeug) ist wunderschön, aber der Ankerplatz sehr unruhig. Die Insel Akamaru bietet nun alles, was eine Südseeinsel aufbieten kann: Eine blaue Lagune, ein kleines Dörfchen mit gepflegten Gärten, Wegen und einer Kirche und ein schönes Riff mit bunter Unterwasserwelt.

Außerdem gelingt es uns, hier mal wieder ein paar Kokosnüsse vom Baum zu pflücken. Wir genießen das gute Kokoswasser!

„Und Tiere?“ hören wir es aus dem Auditorium schallen! „Gibt es auch Tiere?“

Ja, auch Tiere! Allerdings nicht in so großer Zahl wie erwartet und nicht in der großen Vielfalt wie in Südamerika. Im warmen Wasser der Lagune tummeln sich manchmal Baby-Haie. Fast schon einen Meter groß sehen sie mit ihrer klassisch aus dem Wasser ragenden Flosse recht gefährlich aus, sind sie aber doch eher scheu und auf deutlich kleinere Beute aus. Auch die Eltern sind manchmal zu sehen. Mit dem Wissen, dass es sich um recht ungefährliche Riffhaie handelt, kann man die Schönheit dieser Tiere sehr genießen. Lästiger sind da schon unsere Untermieter! Seit Ankunft in Französisch-Polynesien leben in wechselnder Zahl sogenannte Schiffshalter unter unserem Schiff. Diese bis zu einem Meter große Fische können sich mit einem Saugapparat an Schiffe oder auch Wirtstiere heften und letztere normalerweise von Parasiten befreien. Uns missfällt die Distanzlosigkeit der Kameraden, sind sie doch sofort zur Stelle, wenn wir ein Bad nehmen. Man wird umschwärmt und gerne knabbern sie auch schon mal an diversen Körperteilen. Unangenehm!

Schiffshalter

Die Riffe wirken auch hier, wie in vielen anderen Regionen bisher, eher siechend und so gibt es in Folge dessen nur eine begrenzte Menge kleinerer Fische.

Die Wälder sind erstaunlicherweise voller Hühner und Hähne. Auch fernab jeglicher Zivilisation begegnet man dem Federvieh, welches sich anscheinend für die wilde, aufregende Freiheit entschieden hat. Hilfreich erweist sich sicherlich, dass die Hühner im Ort überall frei herumlaufen können (Wie findet man da eigentlich die Eier?), dass sie in Französisch-Polynesien sogar fliegen können (man sieht selbige oft auf Bäumen) und dass es anscheinend keine Feinde im Wald gibt.

Die Menschen sind hier anscheinend relativ wohlhabend, was man an den auf der kleinen Insel herumfahrenden großen Autos sehen kann. Viele Polynesier, insbesondere Frauen, sind enorm übergewichtig. Da hatten wir doch irgendwie andere Vorstellungen gehabt…

Südseeperlen

Der Wohlstand ist sicher auf die Unterstützung durch das Mutterland Frankreich, aber vor allem durch die vielen Perlenfarmen zu erklären. Für die Zucht von Muscheln scheint es hier in der Lagune die besten Bedingungen zu geben. Allerdings ist diese Arbeit recht aufwändig: Zuerst muss der Laich aufgefangen werden, um daraus Muscheln zu züchten. Sind diese groß genug, werden sie vorsichtig geöffnet und ein kleiner Perlmutt-Fremdkörper in das Muschelfleisch gebracht. Dann wird die Muschelschale angebohrt und mehrere Muscheln übereinander an einer Leine befestigt. Nach ungefähr einem Jahr, in dem die Muschel versucht hat, den Fremdkörper durch Perlmuttanlagerung zu umschließen, kann man die Perle entfernen. Sämtliche Perlen werden nach Tahiti gebracht, dort begutachtet und aufgekauft. Zum Dank für ihre Arbeit wurde bisher das Muschelfleisch dann noch als Delikatesse verkauft. Wir hörten, dass in diesem Jahre nicht genügend Laich aufgefangen wurde und somit die Muscheln ein weiteres Jahr in der Perlenproduktion beschäftigt sind.  Wie schon einmal erwähnt, stellt die Perlenzucht für den Segler eine Herausforderung dar, da fast die gesamte Lagune mit Netzen und Muschelbänken zugeparkt ist und man sehr vorsichtig diese Hindernisse umfahren muss.

Weihnachten wird ja überall gefeiert und auch die Besatzung des Segelschiffes Esmeralda versucht nun langsam in diese romantische Stimmung zu gelangen. Durch das Auftauchen von reichlich Plastikspielzeug in unserem Einkaufsladen JoJo und dem Besuch einer stimmungsvollen Weihnachtsfeier in der hiesigen Sporthalle wird uns dies erleichtert. Somit wollen wir es auch nicht versäumen, unserer lieben Leserschaft eine besinnliche Weihnachtszeit zu wünschen! Bis bald wieder an gleicher Stelle! Eure Esmeralda-Crew!

27.10. – 07.11.2022 Gambiers, Französisch Polynesien

Am nächsten Morgen wagen wir nun auch den ersten Landgang. Sehr locker und freundlich werden wir von der Gendarmerie empfangen. Dank Corona waren ja schon lange keine Segelboote mehr hier und so ist man sich etwas unschlüssig, was zu tun ist. In den nächsten Tagen werden wir noch mehrfach beim Vorbeigehen in das Büro gebeten um noch ein vergessenes weiteres Formular auszufüllen. Im Endeffekt dürften wir jetzt 2 Jahre hierbleiben, was uns sehr beruhigend vorkommt.

Auch die wohl überwiegend polynesischen Einwohner des Dorfes sind sehr freundlich und wir fühlen uns sofort wohl hier. Anscheinend sind wir im Paradies gelandet und dass es im Paradies erst einmal kein Internet und auch Dank des defekten Bankautomaten kein Bargeld gibt, muss man dann halt hinnehmen. Bargeld gibt es dann wieder irgendwann, Internet bleibt ein dauerhaftes Problem. Einen Vormittag verbringen wir in einem Büro des Gemeindeamtes und werden von der netten Kollegin nicht nur mit einem – wie überall hier sehr langsamen- Internetzugang, sondern auch mit Crepes und Kaffee versorgt.

Internetnutzung im Gemeindebüro

Wir sind erst einmal sehr froh, mit der Familie zu Hause Kontakt aufnehmen zu können, war doch schon auf Rapa Nui und Pitcairn diese Möglichkeit erheblich eingeschränkt.

Die vulkanisch entstandenen Gambier-Inseln bestehen aus ca. 9 größeren und vielen kleineren Inseln, welche durch ein Riff umgeben sind, das als Wellenbrecher für die Pazifik-Welle ruhige Verhältnisse in der Lagune schafft. Weiterhin bieten die hohen Berge vor dem manchmal kräftigeren Wind reichlich Schutz. Dank der östlichen Lage ist auch die Zyklon-Gefahr für die Sommermonate eher gering. Den letzten Wirbelsturm hatte es in den 70er Jahren des letzten Jahrtausends gegeben. Da die Zyklon-Saison nun im November beginnt, können wir also hier erst einmal verschnaufen.

Aber nicht nur die relative Sicherheit, sondern auch die wunderbare Natur macht den Reiz der Inselgruppe aus. Wir durchwandern die Hauptinsel Mangareva, haben wunderbare Ausblicke von den Berggipfeln, klettern den Gebirgspass entlang, welcher zeitweise so halsbrecherisch verläuft, dass man sich an vorhandenen Seilen hoch- oder hinabhangeln muss und genießen das reichlich vorhandene Obst, welches meist am Wegesrand wächst.

Grapefruits, Bananen, Litchis, Orangen, Limetten, Mangos, Papayas: Alles ist reichlich vorhanden und wir bekommen ungefragt so viel Obst geschenkt, dass wir uns zeitweise fast nur noch von den immer massenhaft reifenden Bananen ernähren. Nach so vielen Tagen auf See, zumeist ohne frisches Obst und Gemüse, ein Genuss!

Auch auf der Nachbarinsel Aukena, wo wir ein paar Tage vor Anker liegen, geht es uns genauso. Schwer beladen kehren wir nach einem Spaziergang wieder zurück. Anspruchsvoll ist jedoch das Navigieren zwischen den Inseln. Haupteinnahmequelle ist für die Bevölkerung in dieser Gegend die Perlenzucht. Die dafür nötigen Zuchtanlagen werden über das ganze Riff verteilt und durch eine Boje markiert. Somit ist ständig ein Besatzungsmitglied damit beschäftigt, bei der Fahrt durch das Riff nicht nur nach Korallenbänken, die meist ungenau in den Karten markiert sind Ausschau zu halten, sondern vor allem muss der Steuermann um die unendliche Zahl von Bojen gelotst werden. Spannend!

Das Nachtleben in Rikitea lässt etwas zu wünschen übrig! Es gibt 3 Restaurants, welche in der Woche nur mittags (nicht unsere favorisierte Essenszeit) geöffnet haben. Am Wochenende öffnet dann jedoch ein Restaurant auch am Abend. Allerdings sitzen wir dann immer alleine an einem der freien Tische, während viele Dorfbewohner sich ihr Essen verpackt nach Hause holen. Eigentlich schade!

Schnell lernen wir aber trotzdem Menschen näher kennen. Bernard und Marie, die uns auf Aukena mit Früchten beschenkten, besuchen uns am nächsten Tage auf dem Boot zu Kaffee und Kuchen.

In Rikitea lernen wir Juilette und Titouan kennen, zwei französische Segler, die sich entschieden hatten hierzubleiben und uns mit einem weiteren Internetzugang und vielen nützlichen Tipps versorgen. Eine weitere wichtige Persönlichkeit für uns im Ort ist Fritz! Fritz ist Deutscher, landete aber in jungen Jahren in der Fremdenlegion und blieb hier in Rikitea hängen. Seine polynesische Ehefrau ist leider vor vielen Jahren gestorben und so lebt er hier umsorgt von seinen 6 Töchtern und vielen Enkeltöchtern (tatsächlich haben wir nur einen weiteren Mann in Form eines Ehemannes hier angetroffen). Auch Fritz kann uns in seiner Funktion als Transocean-Kontaktperson viele nützliche Tipps geben. Wir verbringen viel Zeit gemeinsam und konnten so auch unser Repertoire an deutschen Schlagern der 50er und 60er Jahre auffrischen.