30.4. – 3.6.26 Malakka-Straße/ Pangkor

Nachdem die freundliche Hotel-Rezeptionistin am 30.4. die Transportfirma unserer Batterien telefonisch noch einmal auf den Sachverhalt hingewiesen hat, dass der 1.5. sogar im Dschungel Malaysias ein Feiertag ist, passiert das Unglaubliche: Am Nachmittag des gleichen Tages trudeln die Gel-Batterien doch tatsächlich ein! Sinnloserweise wurden die 5 je 30kg schweren Teile auf den Tresen des Empfanges gehievt und müssen nun wieder den gleichen Weg zurücknehmen. Ein Angestellter kann uns per E-Buggy die Objekte unserer Begierde noch etwas näher zum Steg fahren und dann sind die Muskelkräfte der Besatzung des sportlichen Segelbootes Esmeralda gefragt. Unser Hackenporsche (Weiß jeder, was das ist?) bricht gleich bei der ersten Fuhre zusammen. Nun muss das Fahrrad als Transportmittel herhalten, welches die bessere Kondition zeigt. Irgendwann sind alle Batterien an Bord und wir schaffen es noch, im letzten Tageslicht alle einzubauen und ordnungsgemäß zu verkabeln. Das klingt übriges leichter als es ist! Wie immer ist alles viel zu eng, zu schwer und reichlich Schweiß tropft in die Elektrik. Aber es ist dann schon eine Freude, wieder angemessene Spannung im Bordnetz messen zu können und auch die Körpertemperatur unserer Energiespeicher ist nun im normalen Bereich. Am nächsten Tage werden die 5 alten Batterien genauso mühsam von Bord getragen und in einen Schuppen zwischen(?)-gelagert. Intensives Rascheln beim Betreten ließ uns erst an Ratten denken, entpuppte sich jedoch als freudige Erwartung der hier lebenden 1- 2 Meter langen (und völlig harmlosen) Echsen, welche auf eine Elektrifizierung ihres Refugiums hofften.

Am 2.5. verlassen wir dann die Sebana Cove Marina. Den Pool haben wir sehr genossen, ansonsten war es doch auf Dauer etwas langweilig. Wir genießen noch einmal die Geräusche und den Anblick des Dschungels entlang des Flusses und dann sind wir wieder in der Zivilisation. Wir ankern nahe dem Verwaltungshochhaus und checken bei Hafenbehörde, Immigration und Zoll aus. Welch sinnlose Aktion, bleiben wir doch im Lande. Aber die Kollegen wollen beschäftigt sein, Formulare ausfüllen (lassen!), kopieren, Fragen stellen… Wir fragen uns schon längere Zeit nicht mehr nach dem Sinn all dessen.
Am nächsten Morgen biegen wir dann rechts ab in die Singapur-Straße. Eine kleine Abkürzung über Singapur-Hoheitsgebiet wird sofort von der überall lauernden Polizei geahndet und auch später nerven die Kollegen mit ihrer Begleitung und vor allem ihren rücksichtslosen Hochgeschwindigkeits-Annäherungen mit entsprechender Welle. Lächerliches Imponiergehabe!


Zum Abend haben wir Singapur endlich hinter uns gelassen; die Stadt verabschiedet sich mit einer imposanten Gewitterwolke, deren Auswirkungen wir zum Glück nur marginal mitbekommen. Gewitter wird es nun übrigens fast regelmäßig zum Abend und/oder auch zum Morgen geben. Eine der Spezialitäten der Malakka-Straße, in die wir nun ja eingebogen sind. Zum Glück haben wir keinen enormen Zeitdruck und auch keine Lust, permanent mit Motorunterstützung unterwegs zu sein, so dass sich folgendes Vorgehen als vorteilhaft erwiesen hat: Am Morgen weht noch ein moderater Landwind aus Nordost, welcher einen Am-Wind-Kurs unter Segeln möglich macht, jedoch dann am Vormittag einschläft. Passenderweise haben wir jetzt auch den Gezeitenstrom gegen uns, so dass es besser ist, den Anker zu werfen und auf Änderung der Bedingungen zu warten. In der zumeist nicht mehr als 20 Meter tiefen Malakka-Straße mit bestem Ankergrund (Schlamm) kein Problem. Ab ca. 14-15 Uhr frischt der Wind dann wieder auf, allerdings jetzt als Seewind aus westlichen Richtungen kommend. Auch der Strom wird nunmehr langsam wieder zu unseren Gunsten agieren! Jetzt kann man noch einmal bis zum Sonnenuntergang eine gute Strecke absegeln und ankert dann wieder irgendwo in Ufernähe. Schutz vor dem unberechenbaren Wind hat man dann zwar nicht, dafür aber ausreichend Platz.


In der Nacht kommen dann aus allen Richtungen die Fischer zum Vorschein. Deshalb ist es auch nicht ratsam, nachts unterwegs zu sein. Schon am Tage muss man höllisch auf Netze und andere Fischereiobjekte achtgeben. Mehrfach wurden wir auch vor Anker am Abend in wenigen Meter Abstand mit Netzen eingekesselt, da Fische in Bootsnähe anscheinend Schutz suchen und dies die Erträge der Fischer steigert. Schön ist das nicht, vor allem, wenn die Kollegen uns grußlos einspinnen.


Und jetzt wollen wir mal auch alles zur Diskussion bringen, was wir an der Fischerei ärgerlich finden. Mehrfach erlebten wir, dass die Fischer ihre treibenden Netze mit SART-Sendern markieren, welche nun also permanent ein Notsignal absondern. Normalerweise hat man einen solchen Sender in der Schwimmweste, welcher beim Über-Bord-Gehen angemessener Weise ein Notsignal auf die UKW-Funkgeräte und AIS-Empfänger umliegender Boote sendet. Hier liegt nun kein Notfall vor und außerdem kann man (jedenfalls bei uns) dieses Signal nicht abstellen, so dass letztendlich das AIS-Gerät abgestellt werden musste, um wegen des dauerhaften Trötens nicht dem Wahnsinn zu verfallen. Würde denn sich hier noch jemand um ein Notsignal kümmern, wenn es mal wirklich sinnvoll ausgelöst würde? Die Besatzung des Segelbootes Esmeralda ist empört!
So arbeiten wir uns also die Malakka-Straße nordwärts empor. Links der unendliche Strom der Großschifffahrt im Verkehrstrennungsgebiet, rechts das meist konturlose Ufer des malaiischen Festlandes. Wir passieren das geschichtsträchtige Melakka, welches wir schon auf dem Landweg besuchten, können hin und wieder auch eine idyllischere Insel heimsuchen. Aber schon jetzt in der Erinnerung verblasst diese Zeit zu einer gleichförmigen Masse…



Interessant war es auf Pulau Besar. Die kleine Insel nahe Melakka ist für religiöse Menschen eine Pilgerstätte, lebte doch hier der Prophet Yunus in einer Höhle. Übrigens ist die Geschichte des Mannes identisch mit der biblischen Geschichte von Jonas: Im Sturm auf einem Schiff geopfert zur Besänftigung der Gewalten (also über Bord geworfen), vom Wal verschluckt, reichlich gebetet und bereut im Inneren des Wales und dann auf höheren Befehl vom Wal an Land gespuckt. Diese Höhle besuchen wir natürlich, was eine aufregende Kletterei bedeutet und erwandern auch den Rest der Insel. Viele Urlaubsresorts, die wieder einmal leer zu sein scheinen, recht unfreundliche Menschen, so dass wir schon bald wieder an Bord sind und am nächsten Tage weiterziehen.




Schön war es in Klang. So heißt der Seehafen von Kuala Lumpur. Vorgelagert vor diesem Industriehafen sind kleinere Inseln, die von schmalen Kanälen durchzogen sind. Obwohl unsere Karte hier keine Tiefenangaben mehr anbieten kann, trauen wir uns in das Gebiet und finden einen wunderbar stillen Ankerplatz an einer Flusskreuzung. Hier ist es so schön, dass wir einen weiteren Tag bleiben. In nördliche Richtung versuchen wir dann unseren Weg zu finden, werden aber doch unruhig, als die Flusstiefe konsequent abnimmt. Glückskinder, die wir doch sind, nähert sich in dieser einsamen Gegend gerade ein Motorboot, welches uns den richtigen Weg weist (mehr am linken Ufer entlang) und bald haben wir wieder tieferes Wasser erreicht. Erleichterung auf dem Segelboot Esmeralda!

Als weiteren Höhepunkt dieser Etappe verbleibt Port Dickson in unserer Erinnerung. Hier ankern wir direkt vor der Stadt, welche mal wieder viele Annehmlichkeiten bietet, die das Leben zwischenzeitlich sich auch einfordert. Frisches Obst und Gemüse, gute Cafés, sogar Bierkneipen gibt es sehr vereinzelt. Vereinzelt? Naja, ein bis zwei.
Der Höhepunkt ist allerdings ein jemenitisches Restaurant mit der von uns sehr geschätzten arabischen Küche. Das hatten wir schon lange nicht mehr in der großen weiten Welt. Mie Goreng und Nasi Goreng erzeugt auf Dauer bei uns eine gewisse Langeweile im Mundbereich. Hummus, Falafel, gutes Brot, Auberginenpaste, Taboulé kommt unseren Ernährungsgewohnheiten doch um vieles näher.
Und dann ankern wir auch schon vor Pulau Pangkor, einer Insel, die wieder etwas tropisches Flair ausstrahlt. Hier ist unsere angestrebte Marina, wo wir mit dem Boot nun endlich auch mal wieder aus dem Wasser wollen, sehr nahe und so können wir uns Zeit lassen. Wir testen ein paar Ankerplätze, mieten ein Moped und besichtigen die Insel von der Landseite. Hier scheint man auch gerne Urlaub zu machen, gibt es doch viele Resorts, die aber momentan eher leer zu sein scheinen.





Dann wird es aber doch irgendwann Zeit für den Wechsel in die etwas ungeliebte Marina. Die Aufgabenliste drängt sich gerade nachts mehr und mehr ins Gedächtnis und so landen wir dann in der recht vollen und engen Marina Pangkor. Unsere unmittelbaren Nachbarn sind sehr nett, aber nebenan klappert ständig das Fall am Mast, grüßen wollen die Kollegen Segler auch nicht, die Hunde bellen und geredet wird an Bord nur in gut vernehmbarer Lautstärke. Daran stört man sich nun, ist man doch die Einsamkeit der Ankerplätze gewohnt. Aber der große Vorteil ist, dass man auf Reparaturen aller Art eingestellt ist und auch die gute Esmeralda und der wackere Perkins wollen mal wieder in fachärztliche Behandlung. Ist hier jemand interessiert an den größeren Projekten? Ja? Also dann:
- Unser Motor gibt reichlich Abgase aus dem Öleinfüllstutzen ab. Das Kurbelwellenbelüftungsventil ist in Ordnung, so dass nun die OP am offenen Herzen (Zylinderkopfdichtung?) nötig ist.
- Das Sturm-Vorsegel muss repariert und mit neuem UV-Schutz versehen werden.
- Unser in Lombok gefertigtes Bimini wurde leider mit billigem Garn genäht und muss nun mit UV-beständigem Material nachgebessert werden.
- Bei unserem 2024 gekauften Radar dreht sich die Antenne nicht mehr und muss zum Raymarine-Service. Ein Garantiefall und damit nicht sehr beliebt beim hiesigen Dealer. Radar muss im Mast ausgebaut werden.
- Da die Dinghi-Dollen an falscher Stelle angebracht wurden und damit das Boot nicht per Ruder zu bewegen ist, sollen diese mit dem richtigen Klebstoff an besserer Stelle fixiert werden.
- Ölwechsel im Motor, Getriebe und in der Ankerwinsch, Dieselfilterwechsel, Kühlwasserwechsel…
- An der Befestigung des Getriebekühlers tropft Getriebeöl heraus; leider ist diese Schraube völlig abgenutzt und muss irgendwie gelöst werden.
- In neues Kabel für die Buglaterne einziehen, da das alte verrottet ist.
- Einen neuen Kraftstoffschlauch vom Tankstutzen zum Tank einziehen. Der alte ist doch tatsächlich geschrumpft, hatte sich vom Stutzen gelöst, so dass einige Liter Diesel beim letzten Tanken in Brunei in die Bilge geflossen sind.
- Nach dem Slippen des Bootes Unterwasseranstrich vorbereiten und Wellendichtung auswechseln.
- Und diverse weitere Dinge. Reicht ja nun!
Für Punkt 1-4 suchen wir uns Fachkräfte, was hier in der Marina nicht so schwer ist. Den Rest erledigen wir selbst. Nichts ist einfach und dauert so seine Zeit und auch die Temperatur permanent über 30 Grad macht es nicht besser.
Wir finden aber auch unsere Plätze in der nahen Stadt. Es gibt ein paar schöne Cafés und Restaurants und vor allem sind wir von der Servicewelt wieder einmal überwältigt. Augenarzt- und Zahnarzttermine am nächsten Tag und die entsprechende Behandlung absolut auf europäischem Niveau, auch die Brille ist nach nicht einmal 24 Stunden fertig und unser Tablet, welches wir für die Navigation nutzen und durch Batterieüberladung aufgeplatzt ist, wird noch am gleichen Tage repariert. Dies alles dann noch zu überschaubaren Preisen. Außerdem geraten wir ins Shopee-Einkaufsfieber: Nachdem die Bestellung unserer Batterien doch recht gut funktioniert hatte, suchen wir nach all den Dingen, die wir sonst aus Deutschland mitgebracht hätten im malaiischen Online-Shop. Fast alles ist auch hier erhältlich und deutlich preiswerter. Völlig unkompliziert trudeln beinahe täglich Pakete für uns in der Marina ein.

Lustig ist mal wieder der Kauf des Bieres. Diesmal landen wir in einem indisch geführten Laden, welcher vergittert ist und eigentlich geschlossen scheint. Es kommt jedoch beim Nähertreten ein Kollege an ein kleines Gitterfenster, wir verkünden leise unseren unanständigen Wunsch und werden ins Geschäft gelassen. Ordentlich in eine Plastiktüte verpackt, verlassen wir mit der Konterbande das Geschäft, um einige Malaiische Ringit erleichtert.
Am 2.6. ist es dann soweit: Esmeralda wird per Sea-Lift an Land verfrachtet, professionell abgekärchert und in seine Stellage verbracht. Wir stehen etwas dumm daneben; da die Jungs genau wissen, was sie zu tun haben ist unsere Mithilfe nicht gefragt. Komisches Gefühl…






Schon am nächsten Tag kommt unser Motor-Facharzt. Teil für Teil nimmt er den wackeren Perkins mit nach Hause und zurück bleibt nur der Motorblock. Schon beim Demontieren zeigt sich, dass der innere Kühlkreislauf (insbesondere der Ölkühler) mit einer gelblichen klebrigen Masse zugesetzt ist, die vermutlich mit dem Kühlwasserzusatz etwas zu tun hat. Trotz regelmäßigem Wechsel des Kühlerwassers und Zusatz des Korrosionsschutzes hat hier anscheinend irgendwann mal eine Reaktion unverträglicher Zusätze stattgefunden? Auch der Mechaniker ist ratlos und meint, dass er so etwas noch nicht gesehen hat. Auf jeden Fall sind wir sehr froh, dass jetzt mal alles in den Urzustand versetzt wird. Hoffentlich bekommt er auch wieder alles in richtiger Reihenfolge zusammengebaut?
Dafür hat er jedenfalls ausreichend Zeit. Esmeralda bleibt hier an Land, wir reisen im üblichen Turnus für 6 Monate zur Beglückung der Familie nach Deutschland. Somit herrscht hier auf dieser Seite erst einmal Ruhe. Bis bald!

29.03. – 29.04.26 Zurück in Malaysia
Irgendwann muss man auch den schönsten Platz mal verlassen. Wir checken in Tarempa aus, müssen aber noch einen Notstand beseitigen. Die Bierbilge ist absolut leer und nun muss im streng religiös ausgerichteten Teil Indonesiens für Nachschub gesorgt werden. Unser hilfreicher Barista aus dem Hafen von Tarempa weiß auch hier Rat und schickt uns zu einem kleinen Laden im Stadtzentrum. Hier warten wir bis gerade keine weiteren Kunden im Geschäft sind und fragen leise nach Bier. Tatsächlich wird aus dem hinteren Teil der Räumlichkeiten ein Karton Heineken-Bier geholt, blickdicht verpackt und zu einem recht stolzen Preis verkauft. Wir fühlen uns ein wenig verrucht!






Obwohl wir Indonesien nun offiziell verlassen haben, wollen wir uns aber noch etwas illegal ein paar Tage im westlichen Bereich der Anambas-Inselwelt aufhalten. Dieser Teil des Paradieses liegt mehr als 35 Meilen von der Hauptstadt (und damit dem Platz, wo die Behörden wohnen) entfernt und wir haben keine Lust, diese Tour wieder zurück und dann wieder hinwärts zu absolvieren.

Auch hier erleben wir erneut den Familienanschluss. Auf Pulau Impol, in dem traditionellen auf Stelzen in das Wasser gebautem Seenormaden-Dorf, haben wir sofort die Kinderschar auf unserer Seite, die uns bei unseren Spaziergängen begleitet und deren Namen wir bald wissen. Es gibt hier auch eine Art „Restaurant“, wo man für uns kocht und bald kennen wir die Familie, der per Video-Telefonat stolz die weißen Langnasen präsentiert werden. Kann beim Essen auch etwas lästig sein!







Aber trotzdem: Was für freundliche Menschen hier leben! Bei einem unserer Spaziergänge von einer Ankerbucht in ein mehrere Kilometer entferntes Dorf erlebten wir dies wieder einmal. Auf einem Steg werden kleine Oktopusse gesalzen und getrocknet und zum Export vorbereitet. Um in unsere Abendessengestaltung mal etwas Abwechslung zu bringen, wollen wir eine kleine Menge kaufen. Dies ist möglich, nur Geld will man absolut dafür nicht annehmen. Später geraten wir im Dorf in eine Hochzeitsgesellschaft. Auch hier werden wir sofort eingeladen und beköstigt und natürlich müssen auch jede Menge Fotos mit uns gemacht werden. Auf dem Rückweg kommen uns zwei Jugendliche auf je einem Moped entgegen. Anscheinend können sie unsere scheinbaren Qualen als Fußgänger nicht ertragen, drehen um und bringen uns wieder zurück zur Anlegestelle unseres Dinghis. Dabei hatten wir doch die Bewegung so nötig! Aber so viel Freundlichkeit kann man nicht ablehnen.



Und so kann der mitfühlende Leser sicherlich verstehen, dass uns der Abschied von Indonesien, der vermutlich jetzt endgültig ist, sehr schwerfällt. Doch eines Tages dreht sich der Esmeralda-Bug gen Westen und wir ziehen in Richtung der zu Malaysia gehörenden Insel Tioman. Der aufmerksame Leser mag sich erinnern, dass der Name hier schon einmal auftauchte: Vor ungefähr einem Jahre waren wir auf dem Wege nach Thailand hier tatsächlich schon einmal. Da es hier nicht nur schön war, sondern die Insel auch einen Port of entry ist wo man einchecken kann, geht es jetzt 100 Meilen quer über das Südchinesische Meer. Am Abend kreuzen wir die aus der Singapurstraße kommende bzw. diese ansteuernde China-Frachter-Flotte und müssen ordentlich aufpassen. Schiff an Schiff will passiert werden ohne dass wir hier einen Schaden anrichten!

Die Nacht bietet dann wieder die Aufregung, die in Äquatornähe fast obligatorisch ist: In den frühen Morgenstunden erwischt uns noch ein nicht enden wollender Squall mit Gewitter, Starkregen und drehendem Wind in zum Glück erträglicher Stärke. Warum eigentlich immer in der Nacht? Warum überhaupt? So viele Fragen…
Aber Tioman empfängt uns dann wieder mit strahlendem Sonnenschein. Das Einklarieren dauert so seine Zeit und wir belohnen uns mit einem Kaffee im Café Trumbu. Hier lernen wir den lustigen Besitzer kennen, welcher uns einlädt, vor seinem Etablissement zu ankern. Da hier mit dem perfekten Ankergrund (Sand, keine Korallen) wir uns besser aufgehoben fühlen, als direkt an der Hafeneinfahrt (permanenter Bootsverkehr mit entsprechender Welle), ziehen wir sofort um. Noch mehrmals genießen wir die entspannte Atmosphäre hier im Café.







Ansonsten trainiert die immer noch nicht einhundertprozentig einsatzfähige (Teil-)Besatzung des Segelschiffes Esmeralda das Laufen. Wir treffen wieder auf Nazim, den auf den Rollstuhl angewiesenen kontaktfreudigen Besitzer eines Hostels (wir lernten ihn schon vor einem Jahr kennen) und schließen Freundschaft mit einem englischen Seglerpaar (hier überbrückt der schräge gemeinsame Humor sämtliche Brexitgrenzen). Aber dann tritt das grausame Leben mit Macht wieder in die Idylle: Plötzlich an einem Morgen weist unsere Service-Batteriebank nur noch 12,5 Volt auf, auch die Temperatur einzelner Batterien ist erhöht und unumstößlich besteht kein Zweifel, dass mal wieder alle Batterien gleichzeitig sich aus diesem Leben verabschieden. Nun gilt es, möglichst rasant in die Zivilisation zurückzukehren, an Orte, wo Batterien gekauft werden können oder doch wenigstens geliefert werden könnten. Nachdem diverse Lieferanten in Johor Barhu keine passenden Energiespender, die größenmäßig in unsere Batteriebank passen, auf Lager haben und in Singapur diese ein Vermögen kosten würden, wollen wir nun diese beim Amazon-ähnlichen Malaysia-Ableger „Shopee“ erstehen. Deshalb brauchen wir einen festen Lieferplatz für eine Lieferadresse, etwas Infrastruktur zur Bezahlung (für den interessierten Leser: einen 7-Eleven-Laden, wo wir die Bestellung in bar bezahlen können, da eine ausländische Kreditkarte nicht akzeptiert wird) und einen Stromanschluss am Steg, um allen Eventualitäten begegnen zu können. Also mal wieder eine Marina! Da wir nicht wieder nach Johor Bahru wollen, ist die Sebana Cove Marina, östlich Singapur, unser nächstes Ziel.







So gilt es, früher als geplant, von unseren neuen Freunden wieder Abschied zu nehmen. In Tagesetappen hangeln wir uns südwärts, vorbei an Orten, die bereits vor einem Jahre in umgekehrter Richtung an uns vorbeizogen. Zum Schluss sieht uns dann abermals die Singapur-Straße mit seinem ungeheuren Schiffsverkehr und ganz zum Schluss biegen wir in den Sungai-Santi-River ein. Hier erwartet uns noch einmal ein kräftiger Regenschauer, wir queren eine Stromleitung unbekannter Höhe (nein, kein Kontakt) und dann sehen wir tief im Dschungel die Sebana Cove. Viele leere Liegeplätze, ein paar Wracks bzw. einige Segelboote auf direktem Wege zu diesem Zustande und nun das einzige Gastboot: Esmeralda. Auch das angeschlossene Resort ist kaum besucht. Seltsam! Es gibt einen Pool, den wir ausgiebig nutzen, wir bestellen unsere Batterien und warten auch heute noch wegen der Abgeschiedenheit unseres Standortes auf die Lieferung, borgen uns ein Kajak, mit welchem wir den Fluss in Augenhöhe erkunden und fahren auch mal wieder mit dem Fahrrad in glühender Hitze in den 15 km entfernten nächsten Ort mit integriertem Einkaufsmarkt.





Werden uns die Batterien jemals erreichen? Wird die Bordspannung irgendwann mal wieder auf beruhigende 12,8 Volt steigen? Kann der Kühlschrank auch mal wieder nachts genug Strom aus dem Bordnetz ziehen, so dass er nicht abgeschaltet werden muss? Kann das etwas marode Resort mit unseren täglichen 15 Euro Liegeplatzgebühren sich aus dem Sumpf der Insolvenz befreien? Warum sterben immer alle Batterien gemeinsam und schon nach 3 Jahren? All diese Fragen werden in der nächsten Folge mit Sicherheit beantwortet. Nun aber endet mit diesem Cliffhanger erst einmal der momentane Blog.
Ende!
