29.03. – 29.04.26 Zurück in Malaysia
Irgendwann muss man auch den schönsten Platz mal verlassen. Wir checken in Tarempa aus, müssen aber noch einen Notstand beseitigen. Die Bierbilge ist absolut leer und nun muss im streng religiös ausgerichteten Teil Indonesiens für Nachschub gesorgt werden. Unser hilfreicher Barista aus dem Hafen von Tarempa weiß auch hier Rat und schickt uns zu einem kleinen Laden im Stadtzentrum. Hier warten wir bis gerade keine weiteren Kunden im Geschäft sind und fragen leise nach Bier. Tatsächlich wird aus dem hinteren Teil der Räumlichkeiten ein Karton Heineken-Bier geholt, blickdicht verpackt und zu einem recht stolzen Preis verkauft. Wir fühlen uns ein wenig verrucht!






Obwohl wir Indonesien nun offiziell verlassen haben, wollen wir uns aber noch etwas illegal ein paar Tage im westlichen Bereich der Anambas-Inselwelt aufhalten. Dieser Teil des Paradieses liegt mehr als 35 Meilen von der Hauptstadt (und damit dem Platz, wo die Behörden wohnen) entfernt und wir haben keine Lust, diese Tour wieder zurück und dann wieder hinwärts zu absolvieren.

Auch hier erleben wir erneut den Familienanschluss. Auf Pulau Impol, in dem traditionellen auf Stelzen in das Wasser gebautem Seenormaden-Dorf, haben wir sofort die Kinderschar auf unserer Seite, die uns bei unseren Spaziergängen begleitet und deren Namen wir bald wissen. Es gibt hier auch eine Art „Restaurant“, wo man für uns kocht und bald kennen wir die Familie, der per Video-Telefonat stolz die weißen Langnasen präsentiert werden. Kann beim Essen auch etwas lästig sein!







Aber trotzdem: Was für freundliche Menschen hier leben! Bei einem unserer Spaziergänge von einer Ankerbucht in ein mehrere Kilometer entferntes Dorf erlebten wir dies wieder einmal. Auf einem Steg werden kleine Oktopusse gesalzen und getrocknet und zum Export vorbereitet. Um in unsere Abendessengestaltung mal etwas Abwechslung zu bringen, wollen wir eine kleine Menge kaufen. Dies ist möglich, nur Geld will man absolut dafür nicht annehmen. Später geraten wir im Dorf in eine Hochzeitsgesellschaft. Auch hier werden wir sofort eingeladen und beköstigt und natürlich müssen auch jede Menge Fotos mit uns gemacht werden. Auf dem Rückweg kommen uns zwei Jugendliche auf je einem Moped entgegen. Anscheinend können sie unsere scheinbaren Qualen als Fußgänger nicht ertragen, drehen um und bringen uns wieder zurück zur Anlegestelle unseres Dinghis. Dabei hatten wir doch die Bewegung so nötig! Aber so viel Freundlichkeit kann man nicht ablehnen.



Und so kann der mitfühlende Leser sicherlich verstehen, dass uns der Abschied von Indonesien, der vermutlich jetzt endgültig ist, sehr schwerfällt. Doch eines Tages dreht sich der Esmeralda-Bug gen Westen und wir ziehen in Richtung der zu Malaysia gehörenden Insel Tioman. Der aufmerksame Leser mag sich erinnern, dass der Name hier schon einmal auftauchte: Vor ungefähr einem Jahre waren wir auf dem Wege nach Thailand hier tatsächlich schon einmal. Da es hier nicht nur schön war, sondern die Insel auch einen Port of entry ist wo man einchecken kann, geht es jetzt 100 Meilen quer über das Südchinesische Meer. Am Abend kreuzen wir die aus der Singapurstraße kommende bzw. diese ansteuernde China-Frachter-Flotte und müssen ordentlich aufpassen. Schiff an Schiff will passiert werden ohne dass wir hier einen Schaden anrichten!

Die Nacht bietet dann wieder die Aufregung, die in Äquatornähe fast obligatorisch ist: In den frühen Morgenstunden erwischt uns noch ein nicht enden wollender Squall mit Gewitter, Starkregen und drehendem Wind in zum Glück erträglicher Stärke. Warum eigentlich immer in der Nacht? Warum überhaupt? So viele Fragen…
Aber Tioman empfängt uns dann wieder mit strahlendem Sonnenschein. Das Einklarieren dauert so seine Zeit und wir belohnen uns mit einem Kaffee im Café Trumbu. Hier lernen wir den lustigen Besitzer kennen, welcher uns einlädt, vor seinem Etablissement zu ankern. Da hier mit dem perfekten Ankergrund (Sand, keine Korallen) wir uns besser aufgehoben fühlen, als direkt an der Hafeneinfahrt (permanenter Bootsverkehr mit entsprechender Welle), ziehen wir sofort um. Noch mehrmals genießen wir die entspannte Atmosphäre hier im Café.







Ansonsten trainiert die immer noch nicht einhundertprozentig einsatzfähige (Teil-)Besatzung des Segelschiffes Esmeralda das Laufen. Wir treffen wieder auf Nazim, den auf den Rollstuhl angewiesenen kontaktfreudigen Besitzer eines Hostels (wir lernten ihn schon vor einem Jahr kennen) und schließen Freundschaft mit einem englischen Seglerpaar (hier überbrückt der schräge gemeinsame Humor sämtliche Brexitgrenzen). Aber dann tritt das grausame Leben mit Macht wieder in die Idylle: Plötzlich an einem Morgen weist unsere Service-Batteriebank nur noch 12,5 Volt auf, auch die Temperatur einzelner Batterien ist erhöht und unumstößlich besteht kein Zweifel, dass mal wieder alle Batterien gleichzeitig sich aus diesem Leben verabschieden. Nun gilt es, möglichst rasant in die Zivilisation zurückzukehren, an Orte, wo Batterien gekauft werden können oder doch wenigstens geliefert werden könnten. Nachdem diverse Lieferanten in Johor Barhu keine passenden Energiespender, die größenmäßig in unsere Batteriebank passen, auf Lager haben und in Singapur diese ein Vermögen kosten würden, wollen wir nun diese beim Amazon-ähnlichen Malaysia-Ableger „Shopee“ erstehen. Deshalb brauchen wir einen festen Lieferplatz für eine Lieferadresse, etwas Infrastruktur zur Bezahlung (für den interessierten Leser: einen 7-Eleven-Laden, wo wir die Bestellung in bar bezahlen können, da eine ausländische Kreditkarte nicht akzeptiert wird) und einen Stromanschluss am Steg, um allen Eventualitäten begegnen zu können. Also mal wieder eine Marina! Da wir nicht wieder nach Johor Bahru wollen, ist die Sebana Cove Marina, östlich Singapur, unser nächstes Ziel.







So gilt es, früher als geplant, von unseren neuen Freunden wieder Abschied zu nehmen. In Tagesetappen hangeln wir uns südwärts, vorbei an Orten, die bereits vor einem Jahre in umgekehrter Richtung an uns vorbeizogen. Zum Schluss sieht uns dann abermals die Singapur-Straße mit seinem ungeheuren Schiffsverkehr und ganz zum Schluss biegen wir in den Sungai-Santi-River ein. Hier erwartet uns noch einmal ein kräftiger Regenschauer, wir queren eine Stromleitung unbekannter Höhe (nein, kein Kontakt) und dann sehen wir tief im Dschungel die Sebana Cove. Viele leere Liegeplätze, ein paar Wracks bzw. einige Segelboote auf direktem Wege zu diesem Zustande und nun das einzige Gastboot: Esmeralda. Auch das angeschlossene Resort ist kaum besucht. Seltsam! Es gibt einen Pool, den wir ausgiebig nutzen, wir bestellen unsere Batterien und warten auch heute noch wegen der Abgeschiedenheit unseres Standortes auf die Lieferung, borgen uns ein Kajak, mit welchem wir den Fluss in Augenhöhe erkunden und fahren auch mal wieder mit dem Fahrrad in glühender Hitze in den 15 km entfernten nächsten Ort mit integriertem Einkaufsmarkt.





Werden uns die Batterien jemals erreichen? Wird die Bordspannung irgendwann mal wieder auf beruhigende 12,8 Volt steigen? Kann der Kühlschrank auch mal wieder nachts genug Strom aus dem Bordnetz ziehen, so dass er nicht abgeschaltet werden muss? Kann das etwas marode Resort mit unseren täglichen 15 Euro Liegeplatzgebühren sich aus dem Sumpf der Insolvenz befreien? Warum sterben immer alle Batterien gemeinsam und schon nach 3 Jahren? All diese Fragen werden in der nächsten Folge mit Sicherheit beantwortet. Nun aber endet mit diesem Cliffhanger erst einmal der momentane Blog.
Ende!
