26.04.-29.04.2019

Am Morgen ziehen wir den Anker. Key West in Florida ist das Ziel. Gerade heute wird der sonst so konstante Ostwind über West und Nord auf Nordost drehen. Außerdem wird der Golfstrom (der hier mit ca 3 kn östlich zieht) uns behelligen. Nicht gerade beste Bedingungen, aber am 27.4. gegen 11.53 Uhr entdecken wir Amerika in Form eines schmalen Streifen Land!

Nun gilt es nichts falsch zu machen. Eigentlich soll man die US Coast Guard anrufen, jedoch gibt es 12 Meilen vor dem Land keinen Empfang. Wir funken auf Kanal 16, jedoch werden wir wieder an die Telefonnummer verwiesen. Kurz vor dem Hafen funktioniert das Telefon nun doch. Ein längeres Katz-und Mausspiel beginnt, welches den geneigten Leser sicher nur langweilen würde. Wie beim Buchbinder Wanninger werden wir von einem Telefon zum nächsten geschickt und als wir ein Vermögen vertelefoniert haben, entsteht immer noch nicht das Gefühl, dass nun alles erledigt ist. Auch die Beamten am Telefon sind sich anscheinend über die notwendigen Schritte nicht so recht einig. Am nächsten Tage schaffen wir es mit einer App, die notwendigen Daten ins System zu bringen. Eine Email befiehlt sofortiges Erscheinen in einer Customs-Station. Dem folgen wir natürlich  und landen am internationalen Flughafen Key West. Da aber Sonntag ist, hat heute die Customs wichtigeres zu tun. Geschlossen! Nochmals Anruf: Ja, Montag reicht auch! Ärgerlich nur, dass zu der verlornen Zeit und den Telefonkosten nun auch noch die Taxikosten dazukommen.

Am Montag kommt dann die große Überraschung: Der recht arrogante Grenzbeamte erklärt Jessica zur illegalen Person, da sie nur ein normales ESTA-Touristenvisum hat. Zur Einreise per privatem Boot bedarf es aber eines aufwendigen Visums, welches 10 Jahre gültig ist. Will man dies erlangen, wäre das unter anderem mit dem Besuch der US-Botschaft in Berlin verbunden gewesen.

Nachdem wiederum alle Daten nochmals mühsam aufgenommen werden, Fingerabdrücke abgenommen und Fotos gemacht werden, dürfen wir uns hinsetzen. Es wird telefoniert und der Beamte macht uns schon einmal mit dem Gedanken einer Strafgebühr vertraut. Die 3 Stunden Wartezeit werden uns durch spitzfindige Fangfragen, Fragen über Kuba und gewagte Aussagen über das deutsche Grenzregime verkürzt. Zum Schluss kostet es 585 Dollar! Und da dem Herren auf unsere Nachfrage bewusst wird, dass wir auch noch ein Cruising Permit brauchen, füllen wir jetzt noch einmal Formulare aus. Dass wegen Computerproblemen dieses erst morgen abgeholt werden kann, nehmen wir voller Verständnis entgegen.

Wir verlassen mit verhaltener Wut das Office und erstaunlicherweise geraten die banalen Attacken des kubanischen Systems auf unsere Reise in völlige Verklärtheit! Erwartet hatten wir eine Durchsuchung des Bootes auf kubanische Waren, da doch dieses Land unter einem amerikanischen Embargo leidet. Dass nun auf diesem Nebenkriegsschauplatz uns der USA-Aufenthalt verleidet werden soll, kam unerwartet.

Beim Einlaufen in die Küstengewässer hatten wir einen ausgewachsenen Hai gesehen. Soll dies ein Symbol gewesen sein?

Mittlerweile ist auch unser Freund Frank eingetroffen. Er kam zum Glück mit dem Flugzeug, was zu keiner weiteren Störung der etwas ramponierten Beziehungen zwischen dem Segelboot Esmeralda und den Vereinigen Staaten von Nordamerika führte. Wir hatten beschlossen, dass die Mädels nun eine Landtour machen und die Jungs mit dem Boot gen Miami ziehen.

Noch am gleichen Tage verlassen wir unseren Ankerplatz (den Liegeplatz in der Stock Island Marina hatten wir nach einer Nacht wegen Liegeplatzgebühren von 170 Dollar/Tag aufgegeben) und ziehen nordostwärts. Unseren Frieden finden wir in Lee einer kleinen Insel!

30.04.2019

Wir quälen uns, zum Teil auch mit Hilfe des wackeren Perkins, gegen den Wind weiter entlang der Keys. Es gibt einen relativ schmalen Kanal entlang der Inseln. In Landnähe wie auch in Richtung der offenen See gibt es viele Riffe, die beachtet werden müssen. Die Wassertiefe übersteigt selten 4 Meter! Der Blick auf die größtenteils bewaldeten Keys, welche durch interessante Brückenbauten verbunden sind,  lässt die Reise nicht langweilig werden. Am Abend erreichen wir die Stadt Marathon und werden sehr freundlich in der Marina empfangen.

01.05.2019

Geweckt durch das vermutlich tägliche Flaggenritual, welches direkt neben unserem Boot stattfindet, beschließen wir, nach unserem täglichen Hygieneritual die Stadt zu besichtigen. Da die Keys schmal und lang gezogen sind, besteht Marathon aus einer Hauptstrasse mit Restaurants, Geschäften und Hotels links und rechts dieser Strasse. Wir besichtigen die beeindruckende Seven-Miles-Bridge und haben damit wohl das Wichtigste gesehen.

Beim Planen der nächsten Tage sehen wir, dass zwischen Marathon und Miami keine Marina existiert, die wir mit unserem Tiefgang von 1,80m anlaufen können. Bereits das Fahrwasser nach Marathon hinein war gerade noch für uns befahrbar gewesen. Dies erklärt dann auch, warum wir in den letzten Tagen zwar auf einige Motorboote, jedoch kaum auf Segelboote stießen.

02.05.2019

Der Wind hat auf südliche Richtung gedreht und wir können nun sehr entspannt an den Keys entlang segeln. Eine (aus unserer Sicht riesige) Schildkröte schlummert vor uns im Wasser und kann gerade noch abtauchen bevor wir sie mit dem Boot erfassen. Auch Delphine besuchen uns. Am Abend suchen wir Schutz hinter einer kleinen Insel in Höhe Key Largo und werfen den Anker. Wunderschön!

03.05.2019

Heute wollen wir bis Miami kommen! Da gilt es früh aufzustehen…

Wieder geht es sehr entspannt zu. Dem Wind gefiel es, seine südliche Richtung beizubehalten. Erst als die Hochhäuser von Miami auftauchen, wird es wieder sehr flach. Der Kanal ist so gerade mit unserem Tiefgang befahrbar und immer, wenn die Tiefenangabe unseres Echolots sich der 1,8-Meter-Marke nähert, wird es spannend. Wir funken die Dinner Key Marina an. Leider gibt es keinen Liegeplatz. Wir müssen an eine Mooringtonne. Bei ca. 100 solchen Tonnen hatten wir Hilfe seitens der Marina erwartet (uns wurde die Tonne 88 zugewiesen), jedoch gilt es, alleine seinen Platz im hiesigen Leben zu finden. Was auch gelingt…

Zum Abend kommt es dann zur glücklichen Wiedervereinigung der Landexpedition und der Wassermannschaft, was in einer gemütlichen Kneipe gefeiert wird.

 

04.05.2019

Schon wieder ist etwas passiert: Frank muss uns heute verlassen und fliegt nach Berlin zurück. Das ist sehr traurig! Zu Dritt fahren wir in das Zentrum von Miami, schauen uns kurz den berühmten Ocean Drive an und sind danach interessiert, ob es noch ein anderes Miami gibt!

Seit wir in Amerika sind, nutzen wir den Uber-Fahrdienst. Bequemer kann es nicht sein: Über eine App wird das Fahrziel eingegeben, sofort sieht man den Preis, der direkt dann von der Kreditkarte oder PayPal abgebucht wird und es wird mitgeteilt, wer mit welchem Fahrzeug uns wann abholt. Dies hat an den verrücktesten Orten nie länger als 5 min gedauert.

Wir wollen ins Institute for Contemporary Art. Im Auto des jetzigen Fahrers läuft Jazz (Miles Davis) und so halten wir ihn für den richtigen Ansprechpartner in Bezug auf kulturelle Höhepunkte der Stadt. Wir bekommen einige Tipps und sehen ein ganz anderes Miami. Schon die Kunsthalle ist nach so langer Abstinenz ein großes Erlebnis. Wir besichtigen das Stadtviertel, welches witzig und künstlerisch dekoriert ist, landen auf einem Straßenfest mit tollen Bands und gehen abends noch in ein kleines Kino und sehen einen grandiosen französischen Film.

Das war ein sehr schöner und mal ganz anderer Tag. Spät am Abend bringt uns unser Dinghy wieder zu unserem Liegeplatz.

05.05.2019

Heute wollen wir die Vereinigten Staaten verlassen und die 50 Meilen entfernten Bimini-Islands (Bahama) anlaufen. Bereits gestern haben wir in längeren Telefonaten mit der Coast Guard uns der lästigen Formalitäten entledigt. Auch heute ist wieder der Golfstrom unangenehm bemerkbar. Er setzt hier mit großer Kraft nordwärts, so dass wir einen südöstlichen Kurs steuern müssen um letztlich im Osten anzukommen. Bei Sonnenuntergang ankern wir im Nordwesten der kleinen und flachen Insel.

Schauen wir westwärts gen Florida gehen uns viele Gedanken durch den Kopf. Einen größeren Kontrast zu Kuba kann es eigentlich nicht geben. Übervolle Einkaufsmärkte, Riesenportionen in den Restaurants und demzufolge eine große Zahl massiv übergewichtiger Menschen. Große Motorboote, große Autos! Wir haben das Gefühl, dass in diesem Lande eventuell doch die falschen Werte das Leben bestimmen. Trotzdem trafen wir auch hier unglaublich freundliche und hilfsbereite Menschen. Der Mitarbeiter eines Telefongeschäftes in Miami erlaubte uns, seinen Telefonanschluß zu nutzen für die langwierigen Ausklarierungsformalitäten (Telefonzellen gibt es anscheinend nicht mehr in Amerika). Er hört sich begeistert unsere Reisepläne an und umarmt uns zum Schluss. Ebenso fanden wir sehr herzliche und hilfsbereite Menschen in den Marinas. Es bleibt aber doch das Gefühl, dass wir hier nicht hingehören!