28.11.2019

Bonaire haben wir ins Herz geschlossen. Besonders den phantastischen Eisladen.

Trotzdem wird es Zeit weiter zu segeln. Wir wollen das Wetterfenster nutzen. Wenig Wind ist angesagt, zeitweise sogar aus nordöstlicher Richtung. Für uns gut, da wir ja gegenan müssen. Irgendwann setzen die konstanten Starkwinde ein und dann haben wir kaum noch Chancen weiter nach Osten zu kommen. Die Lichtmaschine ist repariert,  Bilge und Kühlschrank gefüllt, wir haben alles erledigt was zu erledigen war. Am Morgen ist der erste Schritt die Ausklarierung bei Customs und Immigration. Beides befindet sich im gleichen Gebäude (da hat endlich mal jemand mitgedacht), somit haben wir den Behördenkram schnell erledigt. Wir verabschieden uns von den netten Mitarbeitern der Nautico Marina und legen um 11:30 Uhr ab. Vor uns liegen 385 Seemeilen, eigentlich keine große Strecke, wenn da nicht Wind, Strom und Welle gegen uns wären.
Nach etwa 10 Minuten unter Motor meldet sich die Kontrollleuchte der Lichtmaschine. Der Drehzahlmesser streikt ebenfalls. Das gibt es doch nicht! Die gleiche Situation wie vor der Reparatur. Wir beratschlagen, umkehren und unseren Elektriker des Vertrauens Peter an Bord holen oder das Problem vertagen und das Wetterfenster nutzen. Wir entscheiden uns für Variante 2.
Den restlichen Tag verbringen wir mit der Eingewöhnung unserer Körper an die Seebedingungen.

Tag 2

Der Wind lässt nach, wir spannen unseren guten Perkins ein, der es tapfer mit Welle und Strömung aufnimmt. In den Abendstunden ereilt uns dann das nächste Problem. Es tritt kein Kühlwasser mehr aus. Was hat das nun wieder zu bedeuten?
Wir untersuchen den Motor und pusten alle Schläuche durch. Scheint alles in Ordnung. Vielleicht ist der Auslass unterm Boot verstopft?
Wir beschließen das Problem am nächsten Morgen anzugehen.
Segel werden wieder gesetzt. Die Strömung hat uns in dieser kurzen Zeit um 3 Meilen zurück getrieben. Wir sind schockiert.

Tag 3

Erste Tagesaufgabe, Boot abtauchen. Da wir den Kapitän nicht auch noch in einer Entfernung von 3 Meilen einsammeln wollen, sichern wir ihn mit einer Leine bevor er abtaucht. Alles frei!
Beim erneuten Test stellen wir fest, dass die Seewasserpumpe tropft.
Wir bauen die Pumpe aus, prüfen Impeller und das Lager und stellen fest, dass 1. die Dichtung hinüber ist und 2. Schäden am Lager sind, so dass die Nockenwelle, welche die Pumpe antreibt, nicht mehr den notwendigen Kontakt zur Welle der Pumpe besitzt. Das Lager ist an beiden Seiten ausgefranst. Wir beginnen mit einer schweißtreibenden Reparatur. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Außentemperatur 35 Grad beträgt und im Motorraum, genau, die Temperatur weit höher ist!!!
Da wir keine Ersatzdichtung haben, stellen wir sie aus Backpapier her. Die Ausfräsungen füllen wir mit zurechtgefeilten Metallstücken.


Der Test! Es funktioniert. Die Freude an Bord ist ergreifend und wir loben unsere gut ausgestattete Bordwerkstatt. Glücklich lassen wir den Motor laufen, denn unter Segeln kommen wir kaum voran und der Wendewinkel ist eine Katastrophe.
Zum Abend zeigt sich abermals das Problem. Es kommt kein Kühlwasser. Wir setzen wieder Segel und vertagen das Problem auf den nächsten Tag.

Tag 4

Es geht wieder in die Sauna.
Wir bauen die Pumpe aus und begutachten die Ursache. Eins der zurechtgefeilten Metallstücke hat es komplett zerlegt. Die Dichtung ist heil geblieben aber nach unserer Einschätzung zu dünn. Somit machen wir uns wieder an die Arbeit. Es werden gleich zwei Dichtung hergestellt, diesmal aus Packpapier. Wir fertigen ein neues Metallstück an und kleben diese dann mit einem 2 Komponentenkleber am Lager fest. Über Nacht wollen wir das Ganze härten lassen.
Ein Unglück kommt ja bekanntlich selten allein. Beim Ausbauen ist eine Schraube abgebrochen. Das Gewinde steckt noch im Motorgehäuse. Dieses Problem vertagen wir.
Für den Notfall, dass wir den Motor doch benötigen, haben wir einen Überbrückungsplan.
An dieser Stelle wollen wir unserem Sohn Hans nochmal für das Buch: „Bootsmotoren! Jetzt helfe ich mir selbst!“, danken.
Wir schließen als Notbehelf eine Trinkwasserpumpe vorübergehend als Kühlwasserpumpe an. Und siehe da! Es funktioniert. Wir kosten unser Werk für eine Stunde aus. Eine längere Belastung der Pumpe ist wegen Überhitzung des Elektromotors nicht möglich. Der Wind hat bis dato kräftig zugenommen, somit können wir wieder Segel setzen.

Tag 5

Es herrscht immer noch ein kräftiger Wind. Das Boot hat mächtig Schräglage. Keiner an Bord hat Lust auf Sauna und Motorengeschraube. Unsere Etmale sind erschütternd (keine 20 sm in den letzten 24 Stunden) aber wir haben ja Zeit.
Diese Zeit nutzen wir nun um den fehlenden Schlaf nachzuholen.
Am Nachmittag flaut der Wind wieder ab. Ein guter Zeitpunkt für Sauna und den Einbau der Seewasserpumpe.
Der Test!
Motor läuft. Kühlwasser strömt aus. Wir genießen die Situation, lassen den Motor eine Zeitlang laufen bis wir dann aber doch wieder Segel setzen.

Tag 6

Der Wind lässt am Morgen nach und wir beschließen den Motor zu nutzen mit direktem Kurs auf Grenada.
Alles verläuft reibungslos, wir kommen gut voran.
Am Nachmittag setzen wir wieder Segel. Der Wind ist gut und der Kurs auch nicht so schlecht.

Tag 7

Juhu! Es sind unter 100 Seemeilen bis zum Ziel! Das Etmal der letzten 24 Stunden waren großartige 46 sm!
In den Morgenstunden wird es spannend, noch bei Dunkelheit begegnen uns 5 Schiffe. Höchste Aufmerksam ist geboten, wir wollen ja keinen zerquetschen. Wo die auf einmal so geballt herkommen?Am Mittag ist unser Kurs wieder schlechter.  Wir entfernen uns eher vom Ziel. Der Wendewinkel liegt teilweise bei fast 180 Grad. Bitter! Der Motor soll helfen.
Aber leider, Klappe die Dritte, kommt kein Kühlwasser.
Die Entscheidung ist gefallen, wir wissen ja nun wo der Hase im Pfeffer liegt. Wir bauen die Pumpe wieder aus. Die Inspektion zeigt, dass die Metallteilchen zwar noch heil sind, aber nicht mehr an der vorgesehenen Stelle.


Wir kleben alles wieder ein und lassen das Ganze über Nacht härten.
Die erhoffte Ruhephase bleibt dann leider auch aus. Dicke Regenwolken kommen auf uns zu. Die rasanten Windstärkenwechsel zwischen 9-26 Knoten lassen keine Ruhe zu. Großsegel runter, Großsegel wieder hoch, Reffen, Motoren ( Notlösung mit der Trinkwasserpumpe). 2 Stunden haben wir gut zu tun. Zum Abend entspannt sich die Lage dann endlich.
Nur noch 60 Seemeilen!

Tag 8

Die Nacht war unruhig. Viel Regen und unbeständiger Wind. Wir sind kaum vorangekommen. Ein Fluch auf die Strömung. 50 sm liegen immer noch vor uns. Ganz schön frustrierend!
Im Laufe des Vormittages nimmt der Wind zu. Wir sind schnell! Grenada wir kommen! Nur noch 30 Seemeilen.

Tag 9  6.Dezember

Das Wetter stellt uns noch einmal auf eine harte Probe. Wir erreichen eine Windgeschwindigkeit von 28 Knoten. Dazu heftiger Regen. Die Sicht ist schlecht, nur schemenhaft sieht man Umrisse der Insel.
Um 9:30 Uhr fällt dann in der Prickly Bay unser Anker.
Alles Gute zum Nikolaus!

Nachwort:

Sicher Fragen sich einige Leser: „Warum tun die Beiden sich das an?“
Auch wir stellen uns manchmal diese Frage, doch haben wir auch einige Antworten dafür.

  1. Ein bisschen Kampf sollte dabei sein, damit die Wertschätzung und Freude des Ankommens nicht zur Selbstverständlichkeit wird.
  2. Glückgefühle bringen manchmal die Nächte mit sich, wenn man in einen traumhaften Sternenhimmel blicken darf.
  3. Man wird anspruchslos oder, positiv formuliert, genügsam und bescheiden. Ein Erbseneintopf aus der Dose zum Beispiel schmeckt auf solchen Touren wie ein Gourmetessen.

Ganz nebenbei erwähnt, wir tun auch noch Sinnvolles! Erschöpfte Vögel nutzen unser Schiff regelmäßig als Transportmittel. Sie kommen an Bord, ruhen sich aus, schlafen und tanken Kraft für den Weiterflug.