23.03.2020

Die Vorbereitungen laufen. Wir teilen uns auf. Während Hans mit dem Dinghy und bewaffnet mit einigen Wasserkanistern, Wasser für unseren Tank besorgt, schnappt sich Katrin den Hackenporsche, um frisches Obst und Gemüse einzukaufen. Nicht ganz einfach, da auch die Supermärkte in Kourou leere Regale aufweisen.

Später fahren wir dann noch einmal gemeinsam an Land, um im Café ein letztes Mal die E-Mails zu prüfen und einen Gruß in die Heimat zu senden. Wir verabschieden uns von der Chefin des Cafés. Sie schließt uns herzlich in ihre Arme und besteht auf ein Erinnerungsfoto.

Dann ist es soweit. Um 17:00 legen wir ab. Unser brasilianischer Freund Bruno winkt uns noch lange nach.

Wir verlassen Kourou mit gemischten Gefühlen. Einerseits sind wir froh loszuziehen, sind wir doch wegen Corona und der Ausgangssperre ans Boot gefesselt, andererseits haben wir einen schwierigen und langen Törn vor uns, ungewiss wie es uns ergehen und was uns erwarten wird.

Normalerweise segelt man nicht in die Richtung, wie wir es vorhaben. Der Nordostpassat ist ungünstig und die Strömung sehr stark und gegen uns. Bei Gesprächen mit anderen Seglern ernten wir oft ungläubiges Kopfschütteln, wenn wir von unseren Plänen erzählen. Bei Nachfragen, ob es Erfahrungen zu diesem Törn gibt, hören wir nicht selten Antworten wie: „Nein! Die können andere für uns sammeln.“

Die ersten 3 Tage auf See sind sehr beschwerlich. Es plagen uns Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Die kleinste Anstrengung ist zu viel. Ab dem 4 Tag ist Besserung in Sicht. Der Körper gewöhnt sich wieder ans Segeln und die Lebensgeister kehren zurück.

Unsere Strategie, erst einmal 300 Seemeilen raus aufs Meer zu kommen, ist zwar im ersten Moment unbefriedigend, da wir so keine einzige Meile gut machen und das für mehrere Tage, im zweiten Moment aber goldrichtig, da weiter draußen die Strömung nicht ganz so stark ist. Wir kommen gut voran und der Wind passt ebenfalls.

Die Tage vergehen. Sie fühlen sich alle gleich an. Wir haben Mühe, sie auseinander zu halten. Unsere Bordroutine, bestehend aus Schlafen, Lesen, Film schauen und Essen, hat sich nun eingestellt. Das Ansehen eines Filmes ist besonders schön, bedeutet dieses für uns, eintauchen in eine andere Welt und für kurze Zeit vergessen, wo wir uns befinden.

Die Nachtwachen haben wir in unseren bewährten 3 Stunden Rhythmus eingeteilt. Am Tage wird dann je nach Bedarf geschlafen. Leider klappt das Schlafen am Tage nicht so gut und ein Schlafdefizit bleibt nicht aus.

Die größten Freuden sind die Tierbesuche. Diesmal beglücken uns Vögel, die manchmal nachts auf der Reeling schlafen und Delphine. Auf Wale warten wir nun schon seit fast 2 Jahren. Ehrlicherweise müssen wir dazu sagen, dass wir einfach zu wenig aufs Wasser schauen. Ich möchte gar nicht wissen, welch großartige Darbietungen uns schon durch die Lappen gegangen sind.

Auf unserer Tour werden wir leider auch von Starkwind, Regen und Gewitter heimgesucht. An solchen Tagen neigt man dazu, das Segeln zu verfluchen.

Am 14. Tage war es dann soweit. Ein ergreifender Moment. Die Überquerung des Äquators. Gebannt starren wir auf das Display als die Anzeige von N auf S überspringt. Sehen konnten wir natürlich nichts, passierte dieses natürlich in der Nacht.

Film:

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Ab dem 16. Tage wurde es dann sehr mühsam. Der Wind veranlasst uns zum Kreuzen, mit dem Ergebnis, dass wir wie von einem Magnet angezogen, fast immer wieder durch den starken Gegenstrom an der gleichen Stelle landen. Frustrierend! Wir schaffen nur bescheidene Etmale von 25 sm.

Jetzt am 17. Seetage läuft es wieder etwas besser. Wir kommen dem Ziel näher und haben nur noch 350 Seemeilen vor uns.

Nun sind wir schon bei Tag 20. Wir hangeln uns entlang der brasilianischen Küste, die sich hinzieht wie Kaugummi. Das Träumen hat hier allerdings ein Ende. Wir werden umringt von größeren und schnelleren Schiffen.

Tag 21.

Es ist vollbracht! Wir erreichen Jacaré/Brasilien. Vor der Marina lassen wir den Anker fallen. Wir sind erschöpft, aber glücklich.

 Film: Überfahrt Brasilien