24.08.2018

Gegen 6 Uhr morgens löst sich aus dem grauen Einerlei der Nacht allmählich die Form der Scilly Isles heraus. Das Wunder ist auch heute wieder eingetreten: Die Bedrohlichkeit der Dunkelheit wird durch ein wohltätiges, sich langsam verstärkendes Licht verdrängt!

Wir sind gestern gegen 18 Uhr in Padstow losgezogen, mussten bald das optimistisch im 3. Reff gesetzte Großsegel ganz herunternehmen und segelten nunmehr nur noch mit Genua weiter, da der Wind mit ca. 22 Knoten aus Nordwest dem Boot arg zusetzte. Aber nicht nur der Wind wird immer wütender, auch das Meer wirft eine sehr unangenehme Welle gegen das Schiff, so dass Besatzung und Inventar wild durchgeschüttelt werden. Gegen Mitternacht erreichen wir das Verkehrstrennungsgebiet von Land´s End, welches auch wieder nicht vorschriftsmäßig im rechten Winkel durchfahren werden kann. Gegen den Wind geht es nun einmal nicht! Die Großschifffahrt, welche wie auf der Autobahn in 2 Fahrtrichtungen getrennt wird, weicht uns zweimal großzügig aus, obwohl sie dazu nicht verpflichtet wären. Vielen Dank dafür an dieser Stelle!

Eine der wichtigen Errungenschaften der gegenwärtigen Seefahrt ist das AIS: Über UKW-Funk wird automatisch ständig der Kurs und die Geschwindigkeit sowie weitere Informationen über das Schiff ausgesandt. Die Berufsschifffahrt muss damit ausgerüstet sein, Segelbooten ist dies freigestellt. Wir haben es zum Glück und können damit wichtige Informationen empfangen und senden auch ein unübersehbares Lebenszeichen auf die weit über dem Meere befindlichen Brücken der großen Schiffe. Dies reduziert die Gefahr unerwünschter enger Kontakte auf den Meeren beträchtlich!

 

Nach dem Passieren des Trennungsgebietes haben wir ein sonst eher seltenes Problem: Wir sind zu schnell! Der Erbauer der Scilly Islands hatte nach dem Schöpfungsakt anscheinend noch genug Baumaterial übrig, um dies gleichmäßig um die Inseln herum zu verteilen. Somit ist diese aus mehreren großen Inseln bestehende Inselgruppe umgeben von einer unzählbaren Menge von kleineren Felsen, welche nicht immer aus dem Meere herausragen. Dies macht die Scilly´s zu einem der wichtigsten Schiffsfriedhöfe der Welt. Um die Liste der gescheiterten Lebenswege nicht noch zu erweitern, ist es uns wichtig, hier erst bei Tageslicht zu erscheinen und deshalb reffen wir jetzt die Genua um langsamer zu werden.

Um 8 Uhr sind wir an einer Mooringtonne fest vor Hugh-Town/St.Mary. Nun aber ab ins Bett!

Geweckt werden wir von dem mit einem Schlauchboot anrückendem Hafenmeister, der dies alles ja nun auch nicht wissen kann. Um 20 englische Pfund erleichtert (dies ist der Tagespreis für die Nutzung einer Mooringtonne), bringen wir unser Schlauchboot in Form und erobern die Insel!

 

25.08.2018

 

Wir haben das Gefühl, ein erstes wichtiges Ziel unserer Reise erreicht zu haben. Verwöhnt durch den hier regelmäßig vorbeischauenden Golfstrom, konnte sich eine tropische Vegetation entwickeln, was das Flair einer Karibikinsel entstehen lässt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch weiße Sandstrände und blaues Meer. Und außerdem durch sommerähnliche Temperaturen!!! Wie lange ist das her… Wir nehmen ein Bad im Meer, liegen am Strand und essen nach der Inselumrundung in einem kleinen Restaurant an einer malerischen Bucht! Im Anschluss: Diavortrag „Fauna und Flora der Scilly´s“!

26.08.2018

 

Inselwanderung im Regen!

27.08.2018

Wir verlassen St.Mary und segeln die wenigen Meilen bis zur nächsten Insel Tresco, einer Mischung aus Hiddensee und Tobago. Hier gibt es einen großen botanischen Garten mit einer Vielzahl tropischer Gewächse aus aller Welt. Mehrere Stunden lassen wir uns in eine andere Welt versetzen.

28.08.2018

 

Es geht weiter zur nächsten Insel: St. Martin. Wir ankern in einer kleinen Bucht und treffen Till mit seinem Katamaran wieder. In der Bucht vor St.Mary hatte er neben uns gelegen, jetzt nutzen wir die Möglichkeit, einen interessanten Menschen kennen zu lernen. Wir stellen fest, dass wir ähnliche Zukunftspläne haben und uns auch auf eine ähnliche Weise aus dem „alten“ Leben herauslösen mussten. Er ist momentan alleine unterwegs, fliegt aber regelmäßig nach Hause, um Freundin und Kinder gelegentlich zu sehen. Im intensiven Gespräch geht uns das Zeitgefühl etwas verloren, so dass wir erst später am Abend an den Strand hinüberrudern, um wenigstens auch diese Insel mal betreten zu haben.