21.09.2018

Noch bei Dunkelheit verlassen wir etwas erleichtert die Bucht. Slalom um Fischerboote und Fischerbojen. Wir entscheiden uns, den kurz vor Porto gelegenen Hafen Leixoes anzulaufen. Der nunmehr recht zerlesene „Reeds“ warnt vor brutalem Schwell an der Hafeneinfahrt (der auch in allen weiteren Häfen nördlich von Lissabon auftreten kann) und  öligem Wasser (wegen der nahen Raffinerie). Beides bleibt uns glücklicherweise erspart. Gutes Essen in einem der vielen Restaurants, entspannter Schlaf.

 

22.09.2018

Wir wollen mit dem Fahrrad nach Porto fahren. Im Nachhinein recht lustig: Blödsinnigerweise lehnt der Maschinist ein Fahrrad gegen das Bug des Schiffes. Bei einer Bewegung des Bootes rutscht es durch und ist im klaren Wasser in ca. 3,5 Meter Tiefe gut zu erkennen! Da keiner von uns Lust auf ein morgendliches Bad hat, verlängern wir den Bootshaken mit zwei weiteren Stangen und mit Hilfe von Kabelbindern und können das Fahrrad frisch gewaschen wieder empor hieven.

Porto ist wunderschön: Kirchen, morbide Häuserfronten, der Fluss Douro im Tal zwischen den nördlichen und südlichen Stadtteilen, überspannt von den beiden Metallbrücken aus dem Konstruktionsbüro von Gustav Eiffel. Abends geht es wieder in eines der vielen Restaurants in Leixoes. Vegetarisches ist nicht auf der Karte zu finden. Da unser Portugisisch nur rudimentär ist, nimmt uns der Wirt mit in die Küche: Wir dürfen die Zutaten unserer Gerichte auswählen und die Köchin zaubert daraus ein wunderbares Essen!

23.09.2018

 

Heute wollen wir unseren Sohn Friedrich mit Freundin Franziska treffen, die mit ihrem zum Camper ausgebauten Transporter von Berlin bis Portugal in zwei Tagen durchgefahren sind. Heldenhaft!

Noch vor Sonnenaufgang bei allgegenwärtigem dichten Nebel verlassen wir den Hafen. Wir müssen vor dem Hochwasser in Aveiro sein, da sich in der Lagune vor der Stadt wieder die Gezeiten sehr heftig bemerkbar machen. Bei zeitweise nur ca. 20 Meter Sicht werden die 37 Meilen sehr anstrengend. Die Fischerboote und natürlich auch die Angler haben hier meistens kein AIS, so dass man immer mit unverhofften Treffen auf See rechnen muss.

Pünktlich mit einlaufendem Strom erreichen wir die Einfahrt zur Lagune und rauschen mit bis zu 10 Knoten Fahrt ins Ungewisse. Der „Reeds“ gibt nur vage Informationen zur kleinen Marina Avela. Finden müssen wir sie nun alleine! Irgendwann taucht sie auf. Zuvor hängt aber noch ein Stromkabel über dem Kanal. Wilde, warnende Pfiffe von 2 einheimischen Seglern im Hafen machen es nicht einfacher! Der „Reeds“ gibt eine Höhe von 21 Metern an, unsere Höhe beträgt 18,5 Meter. Eigentlich sollte es reichen… Und es reicht auch! Die zweite Aufgabe: Der Steg (Marina ist eigentlich etwas übertrieben) ist voll! Hilfreich springen die 2 Pfeifer herum und finden dann doch ein Plätzchen. Die dritte Aufgabe: Mit 4 Knoten Strom und 15 Knoten Wind von hinten in die Lücke hineinkommen! Auch das gelingt! Wir sind sehr froh und sehen uns nun erstmals die Umgebung genauer an:  Irgendwie wird man sofort an den Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ erinnert.

Steppe, zerfallene Gebäude, Hitze! Aber auch rundherum Kanäle, die Stadt in sichtbarer Nähe und vor allem freundliche hilfsbereite Menschen! Dies ist doch mal was anderes als die immer gleichen Marinas und wir fühlen uns sofort wohl. Der mühsame Weg hat sich gelohnt. Die Stadt Aveiro („Das Venedig Portugals“) ist tatsächlich durchzogen von Kanälen. Sich langweilende Urlauber werden mit motorisierten Gondeln herumgeschippert und dann in die Fänge der Andenkenverkäufer weitergereicht.

Wir belassen es bei einem kurzen Rundgang und warten dann auf die Ankunft der Kinder, welche es spät am Abend dann endlich geschafft haben.

 

24.09.2018

Strand, Stadtbesichtigung, großartiges Abendessen nun auch mal wieder zu viert.  Ach, wie schön ist es, dass die „Kinder“ da sind!

 

25.09.2018

 

Hochwasser war um 4 Uhr (nachts!). Da mochten wir noch nicht los. Der Wecker klingelt um 7 Uhr. Gegen ca. 4 Knoten Strom ablegen wird zum schwierigen Manöver, aber fröhlich sprudelnd spuckt uns der Ebbstrom dann später doch wieder auf den Atlantik. Entgegen dem Wetterbericht („kein Wind aus allen Richtungen“) empfängt uns mal ein stetiger Ostwind von 10 Knoten. Eine entspannte Fahrt nach Figueira da Foz liegt vor uns!

 

25.09.2018 – 28.09.2018

 

Figueira da Foz/ ein Tag später Nazare: Die Konturen verschwimmen und vermischen sich miteinander. Zwei touristische Orte, ein bestimmendes Flair können wir in beiden Städten nicht entdecken. Jedoch lernen wir in Figueira da Foz Sarah und Trev genauer kennen. Die beiden Engländer haben sich vor 2 Jahren ein Boot gekauft und hatten zuvor mit der Segelei nichts zu tun. Die Art zu reisen gefiel ihnen… Jetzt wollen sie in das Mittelmeer und werden dann entscheiden, wie es weiter geht. Kommt das Gespräch auf den Brexit, gerät Trev in Wallung vor Ärger. Sarah muss ihm dann beruhigend über den Kopf streichen. Es gelang ihnen, die irische Staatsbürgerschaft anzunehmen (wegen irgendwelcher Vorfahren) und somit bleiben die stressigen Einklarierungen in Europa aus. In Nazare treffen wir auf Mick! Auch er Engländer, ist allein unterwegs (Respekt!) und ist ein sehr entschiedener Befürworter des Brexit. Wir können dies nicht recht verstehen und so endet der Abend etwas seltsam. Am nächsten Tage in Peniche ist die Marina übervoll. Wir müssen ins Päckchen und da auch Mick dort ist, legen wir uns zu ihm an die Seite. Die Stimmung ist jetzt eine ganz andere, auch Mick ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Vielleicht müssen wir mehr Toleranz lernen?

Mick will am nächsten Morgen um 7.30 Uhr ablegen und nun gleich bis Lanzarote in einem Ritt durchsegeln. Die stressigen An- und Ablegemanöver allein setzen ihm zu, was wir gut verstehen können. Der gesamte Steg gerät nun am nächsten Morgen in Bewegung, da die engen Verhältnisse und der kräftige auflandige Wind die Mithilfe aller umliegenden Segler und das Umlegen der Boote erfordert. Nach ca. 2 Stunden herrscht wieder Frieden in Peniche. Da wieder einmal dicker Nebel wabert, entscheiden wir uns erst morgen zur Ilha da Berlenga überzusetzen und bleiben im reizvollen Peniche. Mittlerweile ist Jessi aus Bremen eingetroffen und wird uns ein paar Tage begleiten. Die Kinder dagegen müssen wieder heimwärts ziehen und wollen sich unterwegs noch für Spanien und Frankreich Zeit nehmen.

 

29.09.2018

Die 8 Meilen bis zur Ilha da Berlenga  sind schnell geschafft. Wir ankern in türkisblauem Wasser und machen das Schlauchboot klar. Schaut man sich die Routen der tagsüber reichlich vorhandenen Touristenboote an, weiß man, wo die Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Als etwas Ruhe einkehrt, fahren wir mit dem Dinghi in eine Grotte, durch einen engen Tunnel in die Nachbarbucht und durch schmale Felskanäle. Zum Schluss noch ein Landgang auf der 5km langen und bergigen Insel, die nur von wenigen Menschen bewohnt ist. Wir sind sehr froh, an diesem wunderschönen Platz nicht vorbeigesegelt zu sein!

30.09.2018

 

Ericeira ist das Ziel: Eine Ankerbucht inmitten der kleinen Fischerstadt. Da seit ein paar Tagen der Autopilot, der manchmal ganz nützlich sein kann, streikt, nutzen wir den ruhigen Segeltag um die einzelnen Komponenten freizulegen. Verkleidungen abschrauben, Backskisten ausräumen: Das Boot sieht aus wie nach einem Bombentreffer! Vermutlich hat sich auf diese Weise ein schlechter Kontakt zurechtgeruckelt, eventuell brauchte er auch nur etwas Zuwendung. Jedenfalls funktioniert er wieder am nächsten Tage.

01.10.2018

 

Endlich wieder vernünftiger Wind! Wir passieren Cabo da Roca, der westlichsten Punkt Festland-Europas! (Anmerkung vom Lektor: Wenn nicht eine schlaue Leserin die Schreiberlinge darauf hingewiesen hätte, dass das Kap Finesterre – auch wenn der Name dies vermuten lässt – nicht der westlichste Punkt ist, stände es noch heute so im Text!)

Hier sind es 28 Knoten Wind und Esmeralda schubbert sich bei 8-9 Knoten Fahrt endlich die ungeliebten  blinden Passagiere vom Bauch. Kurz vor dem Ziel Oeiras verabschiedet sich der Wind auf nunmehr bekannte Weise innerhalb weniger Minuten und der wackere Perkins schiebt uns in den Hafen.

Was für ein Empfang: An der Mole winken Conny und Pete! Wir hatten uns in Peniche kennen gelernt und über Vesselfinder (Internet) hatten sie uns jetzt auf den Hafen  zufahren gesehen und sind zur Mole geeilt. Nette Gespräche an Bord!

 

02.10.-09.10.2018

 

Wir besichtigen Lissabon gemeinsam mit Jessi und Frank (der am 01.10. zu uns an Bord kam) und ziehen dann südlich entlang der Küste. Es ist schön, unsere Freunde an Bord zu haben!

Sesimbre: Eine hübsche kleine Stadt mit einer stillen Marina, gelegen in einer malerischen Bergwelt.

Sines:  Trotz Ölindustrie und einem größeren kommerziellen Hafen eine schöne Stadt mit kleinen Gassen und wenig touristischem Flair. Die Geburtsstadt von Vasco da Gama bietet vom oberen Teil  aus einen großartigen Blick über das  Meer.

Dann zwei Ankerbuchten: In der Mündung des Rio Mira und in Arrifana. Letztere ist umgeben von dramatischen Felsen. Mittendrin ein kleiner Strand und der sich bergaufwärts ziehende Ort Arrifana. Gerne hätten wir diesen noch besucht, leider fehlte die Zeit. Am 07.10. müssen wir in Lagos sein, da Frank am 08.10. und Jessi am 09.10. wieder in die Heimat fliegen.

 

Lagos kennen wir noch aus dem Jahre 2016. Damals, im Dezember, starteten wir hier zur Überführung des Schiffes von Portugal nach Deutschland mit dem kleinen Umweg über die Azoren. Wir hatten den Ort ganz anders in Erinnerung. Ruhig, still, kleine Gassen mit unzähligen Bars und Restaurants. Jetzt tobt noch die Saison. Engländer und Deutsche geben im wahrsten Sinne den Ton an. In den Geschäften und Gaststätten wird englisch gesprochen, die Landessprache ist kaum zu hören oder zu sehen. Wir nehmen es so hin, freuen uns an dem warmen Wetter und dem warmen Meereswasser. Und, neben dem schmerzlichen Abschied von unseren Freunden, gibt es noch eine unangenehme Nachricht: Der tropische Hurrikan Leslie bewegt sich, nachdem er sich etwas ziellos auf dem Atlantik herumgetrieben hat, auf die Kanaren und Madeira zu und soll eventuell auch Europa erreichen. Der Hafentratsch wird bestimmt durch Wetterdebatten ohne sinnvolle Ergebnisse! Wir warten auf das richtige Wetterfenster für die ca 500 Meilen bis Madeira. Und eigentlich haben wir uns auf Besuch von Ulrike und Katrins Vater auf Madeira gefreut. Dies ist nun alles ungewiss…

 

 

10.10.-12.10.2018

 

Leslie! Am 11.10. war sich die Wetterwelt einig: Sie zieht gen Madeira, dreht dann nach Süden und verschwindet irgendwie. Heute dann großes Erstaunen beim Blick in den Computer: Leslie kommt uns eventuell besuchen. Am Samstag soll sie (glaubt man den völlig veränderten Wetterberichten) abends die Algarve erreichen.  Wir ziehen dann mal noch ein paar Leinen und werden berichten, wie es war!

 

13.10.-14.10.18

Zum Nachmittage bewölkt sich der Himmel, der Wind frischt etwas auf und eigentlich war es das fast schon. Leslie hat sich für eine Bahn etwas westlich von uns entschieden und zieht in Richtung Lissabon. Zum Schluss noch ein dramatischer Himmel im Nordwesten und in der Nacht mal heftiger Regen. Wir sind froh, dass es uns nicht traf. In Lissabon gab es wohl ein paar Stunden Stromausfall und ein paar entwurzelte Bäume; zum Glück auch hier nichts Dramatisches. Wir wollen jetzt noch einen Tag abwarten bis die Welle von bis zu 10 Meter sich wieder etwas legt und nun endlich am Montag in Richtung Madeira aufbrechen!