12.02.2019

Der Weg zurück nach Europa dauert heute nur wenige Stunden. Wir verlassen Dominica und segeln bei frischem Wind südwärts in Richtung Martinique. Zum Abschied begegnet uns eine kleine Herde von Pilotwalen, welche uns jedoch kaum Beachtung schenkt.

Nachdem wir Scotts Head, das südlich Kap der Insel, hinter uns gelassen haben, trifft uns die aus Südost kommende Atlantikwelle hart. Die Besatzung wird regelmäßig von überkommenden Brechern durchnässt, aber auch schnell wieder vom Wind und der karibischen Sonne getrocknet. Zurück bleibt eine zunehmend kräftigere Kruste aus Salz auf den Körpern.

Martinique ist ein französisches Übersee-Departement und hier gelten europäische Regeln: Der Euro, Telefonieren ohne Roaming-Gebühren und unproblematisches Einklarieren für Europäer.

Wir ankern am Abend vor St.Pierre, welches bis 1902 die Hauptstadt der Insel war. Der örtliche Vulkan (Mont Pelee) machte mit einem gewaltigen Ausbruch dem ein Ende. Die Stadt wurde ähnlich Pompeji durch Gas und Asche ausgelöscht. Nur ein Insasse des örtlichen Gefängnisses überlebte. Was soll man dazu sagen…

13.02.2019
Wir wollen weiter nach Fort de France, der jetzigen Hauptstadt der Insel. Doch vorerst erwartet die Ankerwinde Zuwendung, welche nicht zu einer geregelten Tätigkeit bereit ist. Bis zum Mittag dauert es: Eine unscheinbare Sicherung im System hat keinen Kontakt mehr! Darauf muss man erst einmal kommen…
Fort de France ist laut und voller Menschen, was auch an dem eingelaufenen Kreuzfahrtschiff liegen dürfte. Wir nutzen die gut sortierten französischen Einkaufsmärkte zum Aufstocken der Vorräte und freuen uns über frisches Baguette und Obst.

14.02.2019
Wir segeln die wenigen Meilen in die nahe gelegene Anse Noire, eine kleine Ankerbucht mit kompletten karibischem Flair. Ja, ja, ein überbeanspruchtes Wort, aber hier trifft es zu: TRAUMHAFT!

15.02.2019
Wir müssen uns langsam einem schon längere Zeit verdrängtem Problem stellen: Bei der Überquerung des Atlantiks wurde die Rollfockanlage mehr und mehr zerlegt und muss nun dringend repariert werden. Anfängliche Versuche, dies in die eigenen Hände zu nehmen, scheiterten an Inkompetenz. Als einziger Ort im Bereich der südlichen Karibik kommt dafür die Marina Le Marin in Frage. Dort soll es einen begnadeten Rigger geben, der solche Probleme lösen kann. Wir telefonieren mit dem Sonnenkönig persönlich und erhalten eine Audienz. Wenn wir heute rechtzeitig in die Marina kommen, wird er sich das Problem beschauen und uns einen Termin erteilen. Wir kreiseln den ganzen Nachmittag in der übervollen Marina, finden keinen Liegeplatz, können somit den Experten nicht an Bord nehmen, welcher jetzt eh´ unauffindbar ist und nicht mehr ans Telefon geht. Zum Abend klappt es dann doch: Frühester Reparaturtermin: In 5 Tagen.

16.02.2019
Heute kommt ein Teil der Familie in Form von Birgit und Stefan, sowie Marie, Arite, Peter und Ecki nach Le Marin. Sie haben einen Katamaran gechartert und wir wollen 3 Wochen gemeinsam durch die südliche Karibik segeln. Allerdings müssen wir nun noch ein paar Tage in der Ankerbucht St.Anne bleiben, währenddessen der Besuch als Voraustrupp schon einmal lossegelt.

20.02. – 22.02.2019
Die Reparatur beginnt, zieht sich (natürlich!) jedoch einen Tag länger hin, so dass wir erst am Nachmittage des 14.2. die Marina verlassen können. Wir sind aber sehr froh, dass diese für uns eminent wichtige Reparatur von den kompetenten Kollegen bestens erfolgt ist.

Stefan und Crew ist mittlerweile in Bequia. Wir segeln die Nacht an St.Lucia und St.Vincent vorbei und erreichen morgens im ersten Tageslicht die Princess-Margaret-Bay. Wir sind nun in St.Vincent/Grenadinen und haben einzuklarieren. Danach fahren wir gemeinsam zu einer Schildkrötenfarm. Ein ehemaliger Schildkrötenjäger versucht jetzt durch das Aufziehen von Meeresschildkröten den dezimierten Bestand wieder zu vergrößern. Dazu sammelt er die aus den Eiern am Strande schlüpfenden Schildkrötenbabies ein und zieht sie bis zur Geschlechtsreife groß. Während die Natur nur eine von 3000 Tiere so weit kommen lässt (eine Reihe von Fressfeinden lauert am Tage der Geburt auf das Festmahl), hat er eine deutlich bessere Quote.

 

23.2. – 26.02.2019
Nach einer Nacht in der ruhigeren und wunderschönen Friendship-Bay/Bequia segeln wir zu den Tobago-Cays, einer kleinen Inselgruppe. Hier bleiben wir 2 Tage, denn es gibt viel zu entdecken. Beim Schnorcheln schauen wir Schildkröten in allen Größen beim Grasen auf dem Meeresboden zu. Man mag das tiefblaue Wasser gar nicht mehr verlassen…

 

26.02. -28.02.2019
Es geht weiter nach Union Island. Hier kann man auch wieder (zu unwahrscheinlich hohen Preisen) Nahrung und Getränke bunkern. Wir buchen (gemeinsam mit Stefan) einen Tauchgang an einem nahe gelegenen Riff. In 10-15 Meter Tiefe erschließt sich die wunderschöne karibische Unterwasserwelt erst so richtig. Wir sehen eine sehr bunte Pflanzenwelt, Fische in großer Zahl, wieder eine Schildkröte und auch drei Riffhaie! Letztere haben erstaunlicherweise eher Respekt vor uns und ziehen desinteressiert dahin. Am Abend ziehen wir weiter in die Chatham-Bay/Union Island, welche viel stiller ist als die vorherige Bucht in Clifton. Vor allem ist der Andrang (der manchmal doch recht nervenden) Boat-Boys geringer, welche alle zu hohen Preisen irgendwelche Dienste anbieten und manchmal permanent, oft noch vor dem Werfen des Ankers, das Boot umkreisen.

28.02.2019

Bis nach Mayreau ist es nicht weit. Es bleibt noch Zeit zum Schnorcheln: Wir entdecken unter uns einen in seiner Größe sehr beeindruckenden Stachelrochen. Dann ziehen wir weiter.

Am Nachmittage legen wir in der Saline Bay der nächsten Insel an. Und, oh Freude, wir treffen auf Nick, den alleinsegelnden Engländer, den wir letztmalig in Portugal gesehen hatten. Wir haben uns viel zu erzählen und vertiefen dies am Abend in einer der zahlreichen Kneipen.

 

 

01.03.2019

Nächster Stopp: Canouan! Eine bunte Insel voller Hunde und Musik! Letztere ist am Obstmarkt so laut, dass wir diesen schnellstens wieder verlassen müssen nach unseren Einkäufen. Niemanden sonst stört es…

Die uns begleitenden Hunde werden immer mehr. Unterwegs sind die Reviergrenzen klar an kleineren Kampfhandlungen erkennbar. Die Mutigen bleiben aber doch bei uns und werden, gemäß einem Versprechen, am Einkaufsmarkt mit Hundefutter belohnt.

 

02.03.2019

Wir kehren wieder zurück in die Friendship-Bay nach Bequia. Hier war es so schön ruhig und so ist es heute auch wieder. Unsere zwei Boote werden angepflockt und dürfen alleine die Bucht abgrasen. Wir ziehen an Land: Heute wird nach guter deutscher Sitte gegrillt. Danach Bordmusik zur Gitarre  mit den vereinten Esmeralda- und Mango-II-Chören.

 

03.03.2019

Inseln hat´s viele hier. Will man auf möglichst einer großen Zahl seine Duftmarke setzen, muss man sich beeilen. Also: Weiter nach St.Vincent. Schon mittags sind wir in der Blue Lagoon und werden durch laute Pfiffe willkommen geheißen. Diese kommen nicht von der einheimischen Bevölkerung, sondern von Ole! Schon seit einigen Tage waberte die Weissagung von Boot zu Boot: OLE WIRD ERSCHEINEN!

Heute nun ist es soweit. Nach komplizierten Flügen kreuz und quer durch die Inselwelt hat er zu uns gefunden. Wir freuen uns sehr auf eine gemeinsame Segelzeit für die nächsten Tage.

 

04.03.2019

Die Sicherheitslage auf St.Vincent ist nicht ideal. Abgesehen von der Blue Lagoon sind die Ankerbuchten nicht sehr sicher. Einige Raubüberfälle, sogar Morde, an Seglern hat es hier in den vergangenen Jahren gegeben. Wir segeln darum etwas traurig an den wunderschönen Plätzen vorbei und sind am Abend in der auch grandiosen Anse des Pitons/St.Lucia.

Nach der Belagerung durch etliche Boat Boy´s (Schmuck, Obst, Barbeque, Ausflüge, Mooring-Tonnen,…) genießen wir den atemberaubenden Anblick der Bucht: Zuckerhutartig wachen der große und der kleine Piton, beide fast 800m hoch,  am nördlichen und südlichen Eingang zur Bucht. Dahinter erheben sich üppig bewaldete Hügel, naja, also wunderschön…

 

05.03.2019

Wir haben den Jungs Obst abgekauft, haben Schmuck erworben und auch für die „Hilfe“ beim Übernehmen der Mooringleine bezahlt. Der zu spät gekommene Mooring-„Boy“ bekommt ein Bier. Trotzdem verlassen wir das Boot etwas nachdenklich. Auch die Sicherheitslage auf St.Lucia ist nicht unproblematisch. Aber wir wollen was von der Insel sehen, außerdem müssen wir einklarieren. Ein neues Land, darum wieder Ausfüllen großer Papierbögen, ernsthaftes Beantworten der üblichen Fragen durch die uniformierten Würdenträger.

Zu diesem Zwecke erwehren wir uns aller Mitfahrangebote und wandern nach Soufriere. Wir sind umgeben vom tropischen Regenwald, baden unter einem ca. 35°C warmen Wasserfall, essen vom Baum gefallene Mangos bis zur völligen Unkenntlichkeit der Hände und Gesichter und trinken das nach „unseren“ Bergen benannte lokale Bier („Piton“) in einer kleinen Hütte umgeben von meckernden Zicklein. Schöner kann das Erwandern eines fremden Landes nicht sein. Dann nehmen wir uns aber doch noch ein Taxi um dem Inselvulkan einen Besuch abzustatten. Die riesige Caldera, welche durch den Einbruch der Wände entstand, scheint jetzt der Eingang zur Hölle zu sein. Große karstige Flächen, welche Schwaden von Schwefeldämpfen ausstoßen. Ein Guide erlangte vor Jahren Berühmtheit, welcher die Tragfähigkeit der Schwefelkruste demonstrieren wollte, dabei jedoch einbrach und sich schwere Verbrühungen zuzog.

 

Am Abend sind wir wieder an Bord. Alles ist unversehrt, keiner hat von unseren Tellerchen gegessen….

 

06.03.2019

Am Nachmittage erreichen wir die etwas touristischere Rodney-Bay im Norden von St.Lucia. Das befreundete Schiff Mango II muss am Samstag wieder in Martinique sein und drängt deshalb nordwärts! Wir finden eine stille Ecke am Rande der Bucht, erwandern das dortige Naturschutzgebiet „Pigeon-Island“ und speisen abends exzellent in einer aus Treibholz zusammen gezimmerten Kneipe.