24.03. – 31.03.2019

Für die 800 Meilen von St. Barth nach Santiago de Cuba brauchen wir tatsächlich 7 Tage. Nach 2 Tagen verabschiedet sich der Wind mehr und mehr. Wir haben jedoch keine Zeitnot und segeln trotzdem die meiste Zeit. Nur wenn die Segel gar zu entnervend lautstark flappen und knallen muss dann der wackere Perkins wieder ran. Saint Croix, Puerto Rico, die Dominikanische Republik und Haiti ziehen nördlich von uns in Sichtweite vorbei. Wir kommen schnell wieder in unseren „Langfahrtrhythmus“ zurück und genießen die Ruhe auf See.

Und, welch Ironie: in der letzten Nacht reffen wir dann mehrfach die Segel, weil der jetzt recht frische Wind uns mitten in der Nacht in die 12-Meilen-Zone Kubas verbracht hätte.

So taucht dann erst im ersten Morgenlicht die kubanische Küste vor uns auf. Wir melden uns brav per Funk bei der Küstenwache, doch niemanden interessiert es, niemand antwortet. Also tuckern wir vorsichtig in den Hafen hinein und erst in Sichtweite der Marina werden wir freundlich per Funk willkommen geheißen und an einen Liegelatz dirigiert.

Gemäß den im Internet verfügbaren Informationen von Seglern, die bereits hier gesegelt sind, hatten wir uns auf Soldaten mit Hunden und viel Behördenterror an Bord eingestellt. Wir verbringen jedoch (nur) eine knappe Stunde beim freundlichen Beamten, welcher uns teilweise selbst auf seinem Computer die Daten eingeben lässt und Vorschläge bezüglich der stressfreisten Antworten auf die vielen Fragen macht.

Auch die nun auftauchende freundliche Behörden-Ärztin sagt uns, wo „No“ und „Si“ zu stehen hat und dann ziehen wir zu viert aufs Boot. Bei einem Bier reden wir über Kinder und die Arbeit und nach 20 min wird auch das letzte Formular ausgefüllt und damit sind alle Formalitäten erledigt. Keine Untersuchung des Bootes bzw. keine Kontrolle der eingeführten Lebensmittel, Alkohol etc.

Küsschen und Umarmung zum Abschied, kleine Geschenke für die Kinder gibt es von uns. Wir sind schon mal begeistert von Kuba. Dann hält der diensthabende Marinero uns einen längeren Vortrag in perfektem Englisch über die Besonderheiten des Landes, Währungen und was man sonst noch so braucht an Informationen. Auch jetzt sind kleine Geschenke angebracht …

 

Zum Nachmittage holen wir die Fahrräder raus und sammeln erste Eindrücke! So viele freundliche Menschen! Mit unseren Fahrrädern fallen wir zwischen den uralten Ami-Schlitten und Russenkarossen und den blitzenden MZ-Motorrädern auf und werden viel befragt nach Woher und Wohin. Wir lernen Miguel kennen, der uns viel vom Leben in Kuba erzählt. Trotz rudimentären Sprachkenntnissen unsererseits verstehen wir uns! Ein Treffen am nächsten Tage wird vereinbart.

 

01.04.2019

Gemeinsames Frühstück mit den 4 Jungs vom deutschen Nachbarschiff! Alle scheinen gerade mit der Schule fertig zu sein und sind ohne sich mit zu viel nautischen Kenntnissen zu belasten mit einer Ketsch unterwegs. Wir sind begeistert von der Offenheit und Unvoreingenomenheit dieser Crew und hoffen auf ein Wiedersehen irgendwo. Auch die anderen wenigen Segler, die sich hierher verirrt haben, sind freundlich und aufgeschlossen. In den überlaufenen Ankerbuchten der bisherigen karibischen Inseln schien uns das eher anders zu sein: wenig Interesse am Nachbarn und so gab es auch kaum mal Treffen mit anderen Seglern.

Zum Nachmittage setzen wir uns auf die Fahrräder und fahren in das nahe Santiago de Chile: tosendes Leben, Lärm, Musik. Leider treffen wir hier auch mehr auf Menschen, die uns in ein „freundliches“ Gespräch verwickeln, jedoch zum Schluss immer Forderungen finanzieller Art an uns haben.

Miguel bringt uns später Bananen und Mangos (und will eigentlich dafür kein Geld). Wir empfinden es als sehr befremdlich, dass er die Marina nicht betreten darf.

Den Abend verbringen wir dann wieder in Santiago in einer Bar in einem Park. Hier treten einheimische Sängerinnen auf vor einheimischem Publikum. Wir fühlen uns sehr wohl und können uns nicht sattsehen an den verschiedensten menschlichen Typen, die hier den Abend genießen.

 

02.04. – 04.04.2019

Eine Welle von Eindrücken strömt über uns! Wenn wir in der Karibik kaum Menschen näher kennen lernen durften, so haben wir es jetzt in Kuba mit einer Flut menschlicher Kontakte zu tun. Die fahrradfahrenden Deutschen sind leicht wiederzuerkennen. Ständig winkt jemand oder spricht uns an. Wir fahren in einem uralten Ami-LKW, der zu einem Bus umgebaut wurden, in die Berge. Schon während der Fahrt beginnt die Party. Musik wird angestellt, die jungen Leute tanzen, singen und klatschen. Auf dem Berg (Gran Piedra) haben wir dann eine atemberaubende Sicht auf den Ostteil Kubas.

 

Wir wollten eigentlich ein Auto mieten, geraten jedoch an die Kuba-Mafia, welche uns einen Amischlitten mit Fahrer zu horrenden Preisen anbietet. Außerdem besteht das Angebot für eine unendlich scheinende Zahl von Geschäften und Dienstleistungen. Es ist schwer, sich hier wieder herauszuwinden…

Ein junger Mann radelt gemeinsam mit uns von Santiago zur Marina. Er spricht gut englisch und erzählt sehr freimütig von den großen Problemen des Landes. Keine Entwicklung, überall herrscht Hoffnungslosigkeit und tatsächlich auch Hunger. Unser romantisches Bild der „lustigen“ Insel bekommt einen neuerlichen Knacks.

Auch die permanenten Bitten um Geld, die teilweise mit einem freundlichen Gespräch eingeleitet werden, teils aber auch direkt ausgesprochen werden, bereiten uns ein laufendes schlechtes Gewissen. Man kann nicht jedem gerecht werden. Auch für uns ist das Leben in Kuba nicht preiswert. Die Marina-Gebühren, die Preise für uns in den Einkaufsmärkten: alles übersteigt bisher Gewesenes.

Alte Erinnerungen (an den Osten Deutschlands) werden wach, versuchen wir in einem Restaurant zu essen. Auf der Speisekarte stehen viele Gerichte. Bestellt man jedoch etwas, ist dieses nicht zu bekommen. Da muss man dann flexibel sein.

Wunderschön und völlig unkompliziert ist die Verbindung zu den wenigen anderen europäischen Booten, die außer uns im Hafen liegen. Wir treffen uns am Abend mit Dänen, Engländern, Belgiern, Franzosen und Holländern in der Hafenbar und sind uns sofort sehr nahe.

 

05.04. – 06.04.2019

Heute wollen wir weiter. Wir haben uns für die Nordküste Kubas entschieden in der Hoffnung, dass hier alles vorerst weniger touristisch ist. Wenigstens bis Varadero…

Um allerdings in den Norden zu kommen, müssen wir erst einmal 100sm ostwärts und Punta de Maisi, den östlichsten Punkt Kubas, runden. Das Problem daran ist, dass auch hier noch der stetige Ost-Passat weht und wir also die Strecke aufkreuzen müssen. Außerdem, dafür mussten wir beim Ausklarieren unterschreiben, muss die US-Basis in Guantanamo weiträumig umfahren werden.

Somit dauert es ungefähr 30 Stunden, bis wir endlich am Ostkap sind und nun mit mehr und mehr achterlichem Wind die Nordküste endlang gen Westen ziehen können.

Gegen 23 Uhr erreichen wir dann unsere Ankerbucht, die Bahia de Mata. Da anscheinend der Mond nicht eingeschaltet wurde, müssen wir bei Finsternis uns in die schmale Einfahrt hereintasten. Wir lassen den Anker in den Grund rauschen und sind gespannt, wie es wohl hier bei Tageslicht aussehen wird.

 

07.04.2019

Als wir wach werden, klingen fröhliche Gesänge über die Bucht. Es ist Sonntag, in der Kirche wird der Gottesdienst auf karibisch-entspannte Weise gefeiert.

Und die Natur rundherum! Spontan wird die Bucht zur bisher Schönsten der Karibik gekürt! Berge, Palmenwälder, ein paar wenige Häuser, die kleine Kirche … Und wir sind das einzige Boot hier!

Wir fahren mit dem Dinghy an Land und werden von ungefähr einem Dutzend Menschen begrüßt. Wir bekommen Obst überreicht und reden, soweit es unser rudimentäres Spanisch zulässt, über das Woher und Wohin, über Boote und Dieselmotoren und den Fischfang. Gerne hätten wir alle in eine Bar eingeladen, jedoch hat diese in der Fastenzeit geschlossen.

Wir spazieren durch den Ort und die umliegende Gegend: Wie man an den vielen geköpften Palmen sehen kann, hat hier Hurrikan Matthew 2016 gewütet. Anders als auf Dominica oder Barbuda sind jedoch alle Häuser wieder aufgebaut. Alles wirkt auf eine einfache Weise intakt. In den Gärten wird Obst und Gemüse angebaut und von Zerstörung ist nur wenig zu sehen.

 

In Santiago de Cuba ist Esmeralda krank geworden. Ein feiner gelblicher Ausschlag zieht sich über den gesamten Bootskörper.

Schuld hieran war das Kraftwerk in der Nähe des Hafens, welches stark schwefelhaltige Kohle verfeuert. Auch das Wasser dürfte nicht unbelastet gewesen sein: Der Teil der Badeleiter, welcher kurzzeitig mit dem Wasser in Kontakt kam, ist stumpf und rau. Der Nachmittag wird nun genutzt, diese hässlichen Erinnerungen wieder zu beseitigen. Nachdem die teuere (von der Marina empfohlene) Reinigungslösung keinen Effekt zeigt, flutscht es mit WC-Reiniger (schwedische Segler gaben uns den Tipp) nur so. Gelbe Flecken, Rostflecken, sonstige Verfärbungen, Zahnbelag – alles verschwindet auf wunderbare Weise. Wir bekommen einen spießigen Putzfimmel und zum Abend glitzert das Schiffchen im Lichte der untergehenden Sonne. Hat aber irgendwie auch mal Spaß gemacht…

 

08.04. – 09.04.2019

Die knapp 10 Meilen bis Baracoa sind schnell geschafft. Wir ankern inmitten der Stadt (und wieder alleine) und freuen uns auf den kleinen Ort. Hier soll Kolumbus erstmals Kuba betreten haben und in frühen Jahren war die Stadt auch mal Hauptstadt Kubas.

Vorher gibt es aber die üblichen Reparaturen (die Ankerwinsch mal wieder!).

Stimmengewirr vor dem Boot: Die Staatsmacht kommt angerudert. Vier uniformierte und viel zu warm angezogene Offizielle kommen an Bord und begutachten ausgiebig die Papiere. Die sind zum Glück in Ordnung und die wirklich sehr freundlichen Beamten rudern nach 30 Minuten wieder los.

Nur kurze Zeit später rudern wir auch los. Die Stadt ist viel ruhiger als Santiago. Hier fährt man hauptsächlich Fahrrad und auch die Taxis sind Fahrradrikschas. Freundliche Menschen, nur selten werden wir bedrängt in Bezug auf Geld, Dienstleistungen etc. Auch die regionale Küche ist etwas anders. Wir genießen in Kokosmilch gekochtes Gemüse, gebackene Bananen und guten Kaffee.

Am nächsten Tage legen wir mit dem Dinghy an einem riesigen Kran-Ponton an. Die Kaimauer war doch etwas hoch für uns zwei Hänflinge. Der Kapitän erscheint sofort auf der Bildfläche, jedoch findet der erwartete Ärger nicht statt. Er lädt uns zu einem Eis ein und erzählt aus seinem Leben, als er noch mit einem Tanker die Welt bereiste. Abends dann, wie auch gestern, die kubanische Musik live in einer Kneipe. Wir bewundern die tanzenden Kubaner. Eine andere Welt…

Ach, wie ist es auch hier schön! Wir sind sehr glücklich, mit Kuba einen ganz anderen Blick auf die Karibik bekommen zu haben.

Wintereinbruch in der Bahia de Mata

Baracoa, 10.04.2019
Die Hafenbehörde legt fest, dass unser Ausklarierung um 9:00 Uhr bei uns an Bord stattfinden wird.

Wir haben keine Eile, unser Morgen beginnt wie jeden Morgen, mit einem wunderbaren, duftenden und wohlschmeckenden Kaffee. Danach nehmen wir unser Morgenbad, räumen auf und machen alles seefest. Alle Arbeiten sind um 9:00 Uhr erledigt und wir sind bereit und warten auf den hohen Besuch. Es wir 9:15 Uhr und wir warten. Um 9:30 Uhr warten wir immer noch.

Um 9:45 Uhr ist unsere Geduld zu Ende und wir warten nicht länger. Wenn keiner zu uns kommt, kommen wir eben.

In der Behörde treffen wir ein paar Beamte aber niemand ist berechtigt oder verantwortlich für uns. Uns wird ein Sitzplatz angeboten. Wir sollen warten!

Um 10:15 Uhr hat sich dann endlich eine Person gefunden, die uns den ersehnten Ausklarierungsstempel geben kann. Allerdings muss vorher noch jemand mit an Bord und prüfen, ob wir nicht doch den ein oder anderen Kubaner an Bord versteckt haben.

Bevor wir diesen Akt vollziehen lassen, wollen wir den ungewollten Landgang nutzen, doch noch schnell ein paar Dinge zu erledigen. 1 Stunde Zeit wird uns genehmigt!

Wir brauchen eine Internetkarte. Mit dieser Karte ist es möglich, an so genannten Surfspots (meist in Hotels oder Parks) für eine begrenzte Zeit ins Internet zu kommen. Findet man so einen Spot (leider gibt es nicht viele) erhält man ein schnelles und gutes Netz.

Als wir der Verkäuferin unser Anliegen mitteilen, schüttelt sie mit dem Kopf. Aufgrund eines Systemproblems kann sie uns keine Karte verkaufen. Wir schütteln ebenfalls ungläubig mit dem Kopf, da wir diese Aussage schon am Vortage zu hören bekommen haben. Wie lange dauern wohl Systemprobleme?

Die Köpfe schütteln wir noch heftiger, als der Herr hinter uns in der Schlage, nach der selben Frage eine Karte ausgehändigt bekommt. Was ist mit dem Systemproblem?

Alles muss man nicht versuchen zu verstehen. Jedenfalls hat dieser reizende Herr uns einfach eine Karte mitgekauft und in die Hand gedrückt.

Wir sind sprachlos, dankbar und gerührt!

Nun noch schnell Brot kaufen. Wir treffen einen Bekannten, der uns zur „Paneria“ begleitet.

Draußen finden wir ein großes Schild mit der Aufschrift: Hay no pan! Es gibt kein Brot! Unser Begleiter bestätigt uns, dass es ein großes Problem ist, Brot zu bekommen. Und nicht nur Brot. Viele Lebensmittel sind nicht zu bekommen oder man muss lange anstehen. Trifft Ware ein, bilden sich riesige Menschentrauben vor z.B. Käse oder Fleischerläden. Und es reicht nie aus. Der Kubaner verbringt mindestens den halben Tag damit, Lebensmittel zu beschaffen.

Dann eben kein Brot!

Auf dem Weg zurück, erstehen wir in einem Supermarkt wenigstens Zwieback und für unseren Freund, als Dank, Kondensmilch. Kubaner können sich so etwas nicht leisten.

In der gegenüberliegenden Bar lädt unser kubanischer Freund uns noch zu einem frischgepressten Saft ein. Die Preise sind hier erschwinglich. Auch ein Baguette wird uns hier über den Tresen geschoben.

Nun haben wir alles was wir brauchten und das auf einer interessanten Weise!

Der Blick auf die Uhr verrät uns, wir sind zu spät! Die eine Stunde haben wir längst überschritten.

Herzlich verabschieden wir uns von unserem Freund und hetzen zum Hafen.

Schweißgebadet ereichen wir die Hafenbehörde. Erwartet werden wir nicht. Wieder muss erst ein passender Beamter gefunden werden, der uns zum Boot begleitet. Nach einer gewissen Wartezeit geht es los. Während des Gehens wird noch schnell die Uniform angezogen. Etikette muss sein!

Nachdem jede Ecke und jeder Winkel von Esmeralda geprüft wurde, sehen wir ein zufriedenes Gesicht. Wir dürfen ablegen!

 

Ensenada de Taco 10.04.219

Zum Glück sind es nur 15 Seemeilen, da es ja mittlerweile recht spät geworden ist. Die Bucht erreichen wir am Nachmittag.. Was für eine Bucht! Traumhaft! Malerisch! Und das Beste: Wir sind ganz alleine!!! Wir gehen baden, lesen und genießen die Freiheit.

Zum Abend kommt ein Ruderboot auf uns zu. 2 Jungs begrüßen uns und überreichen uns Kekse und Obst. Wir sind gerührt und laden sie zum Bier ein. Geschockt waren wir, als die Dosen nach Leerung, wie selbstverständlich über Bord flogen. Am liebsten wären wir hinterher gesprungen und hätten geschimpft. Wir tauschten Blicke und blieben dann aber doch sitzen.

Zum Kauf eines kleinen Fisches lassen wir uns bei der Verabschiedung noch überreden.

Nach kurzer Zeit erscheinen die Beiden wieder. Der Fisch ist leider nicht klein sondern riesig. Wir knabbern Tage daran.

Das Alleinsein hat am nächsten Tag schlagartig ein Ende. Unzählige Mücken kommen zu Besuch. Es wir so ungemütlich, dass wir die Flucht ergreifen.

 

12.04.- 14.04.2019 Puerto de Vito

Nach 85 Seemeilen und einer entspannten Nachtfahrt erreichen wir gegen 13:00 Uhr die Einfahrt. Das schmale Fahrwasser schlängelt sich durch Mangrovenwälder. Ein malerischer Anblick.

Dann erreichen wir den Steg. Die Beamten stehen schon parat. Den ersten, den wir empfangen dürfen, schaut sich das Schiff sehr genau an. Wir beantworten tapfer viele Fragen und füllen unzählige Formulare aus.

Dann werden Fotos gemacht. Handys, Laptops, Fahrräder, Außenborder und Dinghy, von uns und zur Krönung wird auch noch der Inhalt unseres Kühlschrankes fotografiert! Das wird ein wunderbares Album. Nur für wen?

Der nächste Beamte lässt uns Papiere zum Ausfüllen da, die wir dann beim Hafenmeister abgeben sollen. Zum Abschluss kommt ein Hund an Bord. Aber auch dieser kommt mit keiner interessanten Ware wieder zum Vorschein.

Eine pfiffige Hafenmeisterin begrüßt uns, will den Papierkram erst am nächsten Tag mit uns erledigen, gibt uns einige Tipps zur Umgebung und dann sind wir fertig! Im wahrsten Sinne…

Unser Hummeln im Hintern drängen uns dann doch noch zur Bewegung und wir wollen uns einen Überblick über den Ort verschaffen. Das ist schnell erledigt. Hier gibt es nicht viel, besser ausgedrückt, es gibt nichts. Ein kleiner Einkaufsladen erweckt unsere Aufmerksamkeit. Aber auch hier gibt es nichts. Reis können wir kaufen. Brauchen wir nur nicht.

Zurück auf der Straße werden wir von einer Frau angesprochen. Sie heißt Alina und zeigt uns voller Stolz ihr Haus und ihren Garten. Ehe wir uns versehen haben wir Mangos, Tomaten und Gurken in die Hand. Sie will kein Geld, wir drücken ihr trotzdem was in die Hand.

Alina fragt, ob sie unsere Wäsche waschen darf und wir versprechen ihr diese am nächsten Tage vorbei zu bringen.

Am nächsten Tag beschließen wir eine Radtour in den 8 km entfernten Nachbarort Santa Lucia. Nachdem unsere Schmutzwäsche akkurat von den Beamten unter die Lupe genommen wurde (es war schon recht befremdlich) bevor wir sie weggebracht haben, starten wir.

Es ist heiß. Die Straße bietet kein Schatten. Wir schwitzen. Fußgänger, Autofahrer, Kutscher und Motorradfahrer an denen wir vorbeikommen grüßen uns freudig und winken uns zu. In St. Lucia erholen wir uns in einem Restaurant bei einigen Bieren und Essen. Und das für noch nicht mal umgerechnet 5 Euro.

Einen amüsanten Abend haben wir dann noch mit einer Seglertruppe aus Mexiko und den USA. Die Hafenbar hat zwar längst geschlossen aber die Jungs hatten ihre Selbstversorgung dabei.

Der folgende Tag gestaltet sich abenteuerlich. Wir verlassen mit unseren Fahrrädern gegen 8:00 Uhr den Hafen. Wir fahren wieder nach Santa Lucia, um von dort mit dem Bus nach Holguin, eine Stadt im Landesinneren, zu kommen. Unsere Fahrräder lassen wir an einem Kiosk und bitten die Verkäuferin, ein Auge darauf zu werfen. Später stellen wir fest, dass sie ihren Auftrag sehr gewissenhaft erfüllt hat.

Perfekt in diesem Moment hält ein Sammeltransporter der nach Holguin fährt. Keine Wartezeit. Wir Glückskinder!

Holguin gefällt uns. Es scheint nicht sehr touristisch zu sein, somit bleibt die Belagerung von Kubanern, die uns was Gutes andrehen wollen, aus.

Die Viertgrößte Stadt Kubas mit 233000 Einwohnern beeindruckt uns durch schöne Gebäude im Kolonialstil. Wir schauen uns die Pilgerstätte Loma de la Cruz an und überwinden dabei 468 Stufen. Zum Glück haben die Kubaner mitgedacht und neben den Kreuz hervorragende Erfrischungsgetränke bereit gestellt. Da hat sich der Weg doch gelohnt.

Der Nachhauseweg gestaltet sich anspruchsvoller. Es kommt kein Bus, kein Sammeltransporter und kein Taxis. Die Fahrt mit einem amerikanischen Oldtimer wollen wir aufgrund des unverschämten Preises nicht annehmen.

Dann die Erlösung. Ein Sammeltransporter hält. Er will uns mitnehmen. Der Preis ist auf einmal doppelt so teuer als auf der Hinfahrt. Wie geht das?

Wir denken nicht weiter darüber nach, ärgern uns auch nicht, denn wir sitzen trocken im Auto als ein kräftiger tropischer Regenguss beginnt.

15.04.2019

Wir nehmen Abschied von der Marina Vita. Ein wirklich schöner Hafen mit sehr freundlichen Menschen, wunderbar gelegen inmitten der Mangroven. Seitens des Hafens wie immer die gleiche Prozedur: Ein Uniformierter kommt an Bord, verjagt die versteckten Kubaner und zählt Fahrräder, Funkgeräte etc. Einige Formulare später legen wir ab. Da es nun mittlerweile bereits gen Mittag geht, wäre das einzige erreichbare Tagesziel Puerto Padre. Hier laufen wir ein – wieder eine hübsche mangrovengesäumte Bucht, jedoch mit einem Industrieanleger versehen- und machen dummerweise unser Funkgerät sicherheitshalber an.

Wir werden natürlich aufgefordert, erst einmal am Industrieanleger unsere Papierchen vorzuzeigen. Da dies alles in flottem Spanisch erfolgt – generell spricht auch im weiteren Verlauf der Reise kein Beamter der Guarda Frontera auch nur ein Wort englisch- ist der Interpretationsbedarf auf unserer Seite recht groß. Aber wir kommen zusammen und wie immer ist auch dieser Beamte sehr freundlich. Er nimmt uns den hochwichtigen Zettel mit den bereits vielen Stempeln ab und wir verabreden uns für den nächsten Morgen 8 Uhr an selber Stelle. Danach verkrümeln wir uns in die reizende Ankerbucht!

16.04.2019

Die Staatsmacht ist pünktlich um 8 Uhr mit 3 Uniformierten an vereinbarter Stelle vertreten. Einer kommt an Bord, das übliche Ritual und danach dürfen wir wieder mit dem alles entscheidenden Zettelchen in der Hand ablegen. Wie immer läuft alles recht freundlich ab.

In den nächsten Stunden schiebt uns ein angenehmer Ostpassat westwärts in die Inselwelt an Kubas Nordküste und in der Nacht erreichen wir unsere Ankerbucht in Lee von Cayo Confites. Da in unserer Karte auch auf dieser winzigen Insel ein Küstenposten der Grenzbrigade eingemalt ist, lassen wir unser Funkgerät lieber gleich aus. Um 2 Uhr morgens gibt es andere Prioritäten…

 

17.04.2019

Nach dem Wachwerden beschauen wir uns erst einmal die Umgebung. Diese besteht größtenteils aus Wasser, nur im Norden ist das kleine flache Inselchen zu sehen. Im einzigen Gebäude herrscht vermutlich der Staatsschützer, andere Sehenswürdigkeiten sind eher nicht zu entdecken. So wollen wir dann gleich weiter und verzichten auf den Inselrundgang.

An uns ziehen viele flache Inseln vorbei und erstaunlicherweise ist auf manchen eine rege Bautätigkeit zu entdecken. Hier entstehen die neuen Bettenburgen zur Devisenbeschaffung. Die Insellage erspart dem Pauschalurlauber zu tief in das normale kubanische Leben einzutauchen und auch dem Kubaner mit den Fidel-Parolen im Hinterkopf werden unangenehme Fragen erspart. Letzterer darf hier bestenfalls arbeiten…

 

Am Nachmittage erreichen wir (in Begleitung zweier Delphine) Cayo Paredon Grande. Über Funk ereilen uns wieder die unverständlichen Anweisungen im flotten Spanisch. Wir ankern leewärts dieser flachen Insel. Nachdem uns die Staatsmacht, wie wir eigentlich erwartet hatten, nicht besuchen kommt, planen wir den Gegenbesuch. Das Dinghy wird aufgeblasen, der tonnenschwere Außenborder montiert und wir ziehen unsere Ausgehuniform an. All dies wurde wohl beobachtet und nun kommt ein Funkspruch, den wir so interpretieren, dass man auf unseren Besuch keinen Wert legt! Bootsarrest! Wir sind etwas enttäuscht und bleiben halt an Bord.

 

18.04.2019

Die nächste Insel heißt Cayo Guillermo. Hier soll es die nächste internationale Marina geben. Wir freuen uns, nun endlich mal wieder an Land zu kommen. Eine betonnte Einfahrt zur Marina gibt es nicht. Da sich durch Strom die Tiefenverhältnisse ständig ändern, soll man (laut Karteneintrag) die Marina anfunken, damit diese einen Boot rausschicken. Nach all dem Funkterror der letzten Tage finden wir es erstaunlich, das jetzt keiner auf unseren Funkspruch antwortet. Da die Karte Tiefenangaben unter unserem Tiefgang von 1,80m angibt und der Wind mit 20-25 Knoten recht kräftig weht, versichten wir auf das Abenteuer und ziehen auf die windabgewandte Seite der Insel und werfen den Anker. Da hinter uns das große weite Meer tost und bei diesen Windverhältnissen wir das Boot nicht alleine lassen können, bleiben wir halt an Bord!

19.04. – 20.04.2019

Zum Glück sind wir nicht völlig auf das kaum verfügbare Internet in Kuba angewiesen. Per Kurzwellenfunkgerät und Pactormodem können wir mails versenden und auch Wetterberichte einholen. Die heutigen Voraussagen zeigen, dass der eigentlich beständige Ostpassat durch ein Tief oberhalb Floridas durcheinander gebracht wird und ab Freitag mit nördlichen und später sogar mit westlichen Winden zu rechnen ist. So versuchen wir das momentan noch passende Wetter auszunutzen und wollen die nächsten 24 Stunden uns weiter westwärts bewegen. Da am 22.4. Jessica in Varadero zusteigen will, gibt es einen Terminplan!

Wir segeln, wie in all den letzten Tagen, durch strahlend türkises Wasser, welches auch einige Meilen von den Inseln entfernt oft nur 5-10m tief ist. Hin und wieder muß ein Riff, welches durch die Brandung gut zu erkennen ist, umfahren werden. Wir genießen diese wunderbare Welt…

Am nächsten Morgen erreichen wir mit dem ersten Licht (und leider Regen, welchen es also auch gibt) die Ankerbucht westlich von Cayo de Bahia de Cadiz. Der Wind hat in der Nacht gemächlich auf Nord gedreht und so ist unser nach Norden hin offener Ankerplatz recht unruhig und unsicher. Nachdem wir etwas Schlaf nachgeholt haben, wollen wir darum einen vermutlich besser geschützten Platz in nur 13 Meilen Entfernung erreichen.

Wir nähern uns der Einfahrt des Canals de los Barcos von Norden. Unser von Bekannten in Santiago de Cuba abfotografiertes Hafenhandbuch sichert uns 2,5 Meter Tiefgang in dieser Ansteuerung zu. Die Karte verspricht eine rote Tonne zum Beginn des Kanals und eine Pier für die Großschifffahrt. Eigentlich sollte dies kein Problem sein…Doch es wird immer flacher je weiter wir uns der Einfahrt nähern und auch von der Betonnung ist nichts zu sehen. Zudem weht ein frischer auflandiger Wind, welcher uns bei Grundberührung sicherlich gnadenlos weiter landwärts befördern würde. Kurz vor der vermutlichen Strandung drehen wir ab und atmen auf, als wieder ungefährliche Tiefen erreicht sind. Nicht nur optisch erinnert die Gegend hier an die deutsche Nordseeküste. Auch die vermutlich ähnlichen Strömungsverhältnisse dürften Fahrrinnen bald verändern und so haben dann Handbücher ein schnelles Verfallsdatum.

Wir sind sehr froh, dass unsere Reise kein vorzeitiges Ende gefunden hat, jedoch müssen nun ein neues Schlupfloch für uns finden. Als letzte Ankerbucht vor Varadero bietet sich da nur Cayo Blanco an. Die nun nochmals anstehen 23 Meilen sind bei dem mittlerweile auf West gedrehten Wind natürlich nicht mehr bei Tageslicht zu erreichen. Auch die größere Zahl von Riffen und Untiefen, welche in Slalommanier umschifft werden müssen, heben nicht die Stimmung. Aber der Mond scheint hell und gegen 23 Uhr liegen wir glücklich vor Anker!

 

21.04.2019

Der Vorteil des nächtlichen Ankommens besteht in der morgendlichen Vorfreude auf den ersten Blick auf unsere Umgebung. Heute sind wir sehr froh über unseren schönen Rückzugsort. Eine kleine mangrovenbewachsene Insel direkt neben uns.

 

Cayo Blanco in Sichtweite und viele kleine Inseln um uns herum. Nach 6 Tagen in permanenter Nähe der Inseln ohne je diese betreten zu können, freuen wir uns auf ein Restaurant und Menschen. Das Dinghy wird schwimmfähig gemacht und der tonnenschwere Außenborder montiert. Als wir am Steg anlegen wollen, kommen zwei zivile Staatsdiener und teilen uns mit (diesmal sogar in Englisch), dass wir nicht anlegen dürfen. Fragen nach dem Sinn solcher Anordnungen (schließlich werden Horden von Touristen aus dem nahen Varadero hier per Boot hingekarrt) finden keine rechte Begründung. Ist halt so!

Also zurück zum Boot und bloß nicht ärgern..

Gegen den Frust hilft eine frische Bananenmilch! Unsere Besucher in der Ensenada de Taco hatten uns eine komplette Bananenstaude als Gastgeschenk mitgebracht (Auch hinter dem letzten Wunschtraum des Ossis an Bord konnte ein großer Haken gemacht werden!). Nun sind diese Früchte unabgesprochen fast gleichzeitig gereift und unser Speiseplan wird auf vielfältige Art durch die Banane bereichert.

Gegen 16 Uhr legen wir ab und kommen 18 Uhr in der Marina Varadero an. Wieder Kontrolle durch den Grenzbeamten, gemeinsames Bierchen und direkt eingefordertes Trinkgeld (5 Dollar) und dann liegen wir an unserem Liegeplatz in der Marina Gaviota.

 

22.04. – 24.04.2019

Varadero ist gar nicht so touristisch wie befürchtet! Zwar ist die gesamte Halbinsel mit Hotels bestückt und durch eine Art Grenze vom restlichen Kuba abgeschottet. Aber es gibt auch in dieser Sonderregion relativ normale Städte wie Varadero-Stadt oder Santa Martha, wo man kubanisches Leben spürt. Wir nehmen unsere Fahrräder und versuchen dieses Leben zu finden. Am Abend ist Jessica dann eingetroffen. Sie wird gute 14 Tage mit uns an Bord sein.

 

Am nächsten Tage wollen wir das Abenteuer „Reisen-auf-Kuba“ in Angriff nehmen. Die größere Stadt Mantanzas ist das Ziel! Wir nehmen wieder mal den Sammeltransporter der ohne Fahrplan abfährt, wenn er genug Passagiere gefunden hat.

Mantanzas ist die für uns schönste Stadt Kubas. Es ist deutlich mehr Geld für die Erhaltung der schönen Gebäude aufgewandt worden, als dies in den anderen besuchten Städten der Fall zu sein schien. Wir erfahren im Ortsmuseum durch eine für uns organisierte Privatführung vom Restaurator des Hauses viel über die Region und später auch viel über das Privatleben, die Wünsche und Träume der Kubaner. In der Stadt findet eine Art Biennale statt: An verschiedenen Stätten des Ortes findet man zum Teil sehr freche und auch witzige künstlerische Aktionen, Installationen und riesige Monumente. Eine Galerie zeigt amerikanische und kubanische Künstler! Das hätten wir nicht erwartet…

  

Da die Heimreise schwer planbar ist, müssen wir am späten Nachmittage wieder in unsere Scheinwelt zurück. Diesmal fahren wir mit einem modernen Reisebus und können in Santa Martha in einen Linienbus umsteigen, der tatsächlich bis an das Ende der Halbinsel bis zu unserer Marina fährt!

Einen Tag später genießen wir den wunderbaren Strand in Varadero. Sucht man sich einen Platz zwischen zwei Hotels kann man der Beschallung mit Kindergarten-Pop entgehen und wird auch von den Animateuren in Ruhe gelassen. Am Nachmittage fahren wir mit dem Moped-Taxi (eine Art Rikscha) nach Varadero-Stadt und hören in einer Kneipe Live-Musik.

Wir rätseln, aus welchem Land die sympathischen jungen Leute wohl kommen, wirken sie doch in der Musikauswahl, Kleidung und dem Auftreten sehr westlich. Großes Erstaunen: Auf Nachfrage erfahren wir, dass es sich um Kubaner aus Varadero handelt.

Wie lange wird man wohl diese Menschen noch vor den sozialistischen Karren spannen können?

Spät sind wir wieder in der Marina. Am Schlagbaum zu unserem Bootsanlieger steht heute ein junger Mann, der es anscheinend noch zu was bringen will. Die geforderten Papiere hat nur die Stammcrew, Jessica hat diese nicht, da wir eh´ am nächsten Tage ablegen wollen. Allerdings hatten wir das Eintreffen eines Gastes dem Grenzbeamten wie auch der Hafenbehörde mitgeteilt, so dass wir das Theater nicht so ernst nehmen. All die Tage zuvor sind wir mit freundlichem Gruß hier vorbei gegangen.

Es wird der nächste Vorgesetzte geholt, der holt den nächsten Chef, dann wird ein Elektrogefährt geordert. Unter Bewachung holt Jessi Ausweis und Visum vom Boot. Dann fahren wir (es ist mittlerweile 1 Uhr nachts) zum anscheinend immer anwesenden Grenzbeamten. Der sichtet die Unterlagen: Jessica ist nicht berechtigt, an Bord zu übernachten, da sie nicht gemeldet ist. Also muss sie ins Hotel! Nun protestieren wir energisch! Schon 2 Tage wohnt Jessi an Bord, der Grenzbeamte wie auch das Hafenbüro war informiert, so geht das doch auch nicht. Telefonate, Absprachen mit der Marina (mittlerweile ist es 2 Uhr) und wunderbarer Weise geht es nun doch: Alle dürfen wieder an Bord!

25.04.2019

Wir haben jetzt doch eine kleine Überdosis Kuba. Gegen Mittag legen wir ab, klarieren beim Grenzbeamten aus (diesmal lang-anhaltende Papierformalitäten, jedoch erstaunlicherweise nur oberflächliche Bootskontrolle) und ankern noch einmal vor der schönen Insel Cayo Verde. Nachdenklich schauen wir zurück auf die völlig überdimensionierte Marina. Der sehr nette Hafenmeister erzählte zum Abschied, dass in den Zeiten der Obama-Regierung ca. 100 Schiffe aus den USA hier täglich lagen. Wir hoffen sehr, dass die Trump-Ära bald ein Ende findet.