06.12. – 22.12.19

Wir ankern in der Prickly Bay und sind doch etwas geschafft von der Überfahrt. Doch bevor wir etwas Schlaf nachholen können, müssen wir erst einmal die notwendigen Formalitäten erledigen. Wir klarieren auf Grenada ein bei einem recht überheblichen Beamten und ziehen dann gleich weiter zu dem örtlichen Perkins-Vertreter um eine Lösung für unsere arbeitsunwillige Seewasserpumpe zu finden. Eine solche hat er natürlich nicht auf Lager und muss diese bei einem Lieferanten in England ordern. Bis er eine Antwort von diesem hat vergeht eine Woche und, soviel sei gleich erwähnt, wird der Preis dann astronomisch hoch sein. Weiterhin vermuten wir, dass, wenn die Anfrage schon viele Tage gedauert hat, die Ankunft einer neuen Pumpe vermutlich nicht mehr in diesem Jahr stattfinden wird. Wir müssen eine andere Lösung finden. Wir zeigen die angenagte Welle einem Metallbetrieb in der Werft und dieser will versuchen, durch Aufbringen von Schweißnähten den Defekt wieder aufzufüllen. Schon zwei Arbeitstage später können wir die reparierte Pumpe entgegennehmen und dies sogar zu einem moderaten Preis! Nach dem Einbau fließt leider ein Großteil des Kühlwassers seitlich an der Welle heraus. Durch das Schweißen hat es den Simmerring zerstört! Zum Glück haben wir einen Ersatzring an Bord. Die Pumpe wird nun zerlegt, das Teil gewechselt und wir sind sehr froh, ein Problem gelöst zu haben.

Die Lichtmaschine wird wieder ausgebaut (mittlerweile können wir das recht schnell) und zu einem Spezialisten gebracht. Statt des nun doch allmählich langweilig werdenden Blickes in den Motorraum ist die Busfahrt in das ferne Bergdorf eine wunderbare Abwechslung und macht Lust, diese wunderbare Landschaft aus sattem Grün, Bergen und Wasserfällen bald genauer zu erkunden. Es wird die Gleichrichterbrücke gewechselt und nun sollte alles wieder funktionieren. Aber so einfach ist das Leben nicht. Nach Einbau haben wir wieder das alte Problem: Jetzt geht erst einmal gar nichts mehr. Der Motor lässt sich nicht starten, die Kontroll-Lampe leuchtet nicht und die Mannschaft des Segelschiffes Esmeralda ist nun doch etwas frustriert. Die Details wollen wir jetzt dem Leser ersparen! Es dauert dann noch einmal 2 Tage bis wir den Fehler finden: Eine kleine Schraube, welche durch eine Isolierung den elektrischen Kontakt zwischen Regler und Lichtmaschinengehäuse verhindern soll, macht nicht was sie soll. So gibt es ein Masseproblem, welches wir nun schnell beheben können. Wie einfach Menschen glücklich gemacht werden können…

Ansonsten wird noch eine ausgeschlagene Gelenkwelle der Steuerung (Ersatzteil zum Glück an Bord!) gewechselt, eine Genua-Naht nachgenäht und viele Kleinigkeiten abgearbeitet. Während wir doch in der Anfangszeit unserer Reise von Katastrophen verschont blieben, hinterlassen jetzt die zurückgelegten Meilen anscheinend ihre Spuren auf gar vielfältige Weise.

Aber irgendwann ist es dann soweit. Nun wollen wir die Insel kennen lernen. Mittlerweile sind auch liebe Freunde in der Bucht eingetroffen. Inge und Ralf kommen direkt von den Kanaren nach Grenada. Dort (auf La Gomera) hatten wir uns vor fast genau einem Jahr voneinander verabschiedet und wir empfinden es als großes Glück, dass wir uns wiedersehen!

Gemeinsam wandern wir zu den Concord-Wasserfällen und stöbern nach Ersatzteilen. Ein anderes Mal (diesmal zu zweit) wandern wir vom in den Bergen gelegenen Nationalpark quer durch den Regenwald zur Westküste der Insel. Unterwegs sehen wir Affen, welche, angelockt durch Bananen, sich sogar auf unsere Schultern setzen. Der Weg wird dann immer abenteuerlicher und verschwindet irgendwann gänzlich im Dickicht des Regenwaldes. Etwas arrogant hatten wir den Rat der Parkwächter, diese Route nicht zu gehen, ausgeschlagen und so rutschen wir auf dem Hosenboden in unseren Flip-Flops die Berghänge hinab und orientieren uns am Verlauf eines Flusses. Bekanntlich fließen die ja alle irgendwann mal ins Meer, jedoch hat der große Landschaftsgestalter immer mal wieder kleinere und größere Wasserfälle eingebaut, welche dann irgendwie „umwandert“ werden müssen. Dies nimmt viel Zeit in Anspruch und so neigt sich der Tag langsam dem Ende entgegen. Wir sind sehr erleichtert, als am späten Nachmittag die bekannten Concord-Fälle erreicht werden. Wir tauchen wieder in die Zivilisation ein und die einsetzende Dämmerung überdeckt wohltuend unsere verdreckte Kleidung. Eine sehr anstrengende aber wunderbare Wanderung findet sein Ende im Bus der Linie 5, welcher uns nach St. George, der Hauptstadt der Insel, zurückbringt.

Der Busverkehr der Insel wird ausschließlich durch Kleintransporter realisiert und funktioniert ohne jeglichen Plan großartig. In so ein Fahrzeug werden ca. 20 Personen hineingepresst und dann geht es in meist mehr als rasanter Fahrt, begleitet von überlauter Hip-Hop-Musik, dem Ziel entgegen. Je jünger der Fahrer um so lauter die Musik und um so halsbrecherischer die Fahrweise!

Letztendlich haben wir dann doch noch viel von der wunderschönen Insel gesehen. Wir sind begeistert von der wilden Natur und empfinden die relative Sauberkeit hier als sehr wohltuend! Unser nächstes Ziel soll Trinidad sein, wo uns unser Freund Frank über Sylvester besuchen wird. Da ab dem 24.12. der momentane Nordost-Wind auf Südost dreht, beschließen wir etwas wehmütig, Weihnachten nun doch nicht auf Grenada zu verbringen, sondern am 22.12. mit noch günstigem Wind südwärts zu ziehen! Wenn der Wind passt, muss man segeln (alte Fahrtenseglerweisheit!). Wir verabschieden uns von unseren Freunden und los geht´s!