28.05. – 02.06.2019

Gegen Mittag wollen wir ablegen. Vorher kaufen wir den Haitianern, die auf ihren sehr ursprünglichen Segelbooten leben und auf kleine Jobs warten sowie vom Obstverkauf leben, noch die besten Mangos und die schlechtesten Bananen unserer Reise ab. Dann geht es los: Bis zum Südwestkap Haiitis mit achterlichen Winden, dann nur noch gegen den Wind. Außerdem mehr als 2 Tage Dauerregen…

Als wir die Grenze zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik übersegeln, passiert es: Plötzlich grelles Scheinwerferlicht von See her. Ah, denken wir, nun sind sie da, die Piraten! Aber über Funk kommt die Aufforderung der dominikanischen Armee, ein paar Angaben zu Schiff und Besatzung zu machen. Grosses Aufatmen!

 

Wir kreuzen mühsam und recht unbequem auf und erreichen erst am 1.6. die Isla Beata/Dominikanische Republik. Es kommen zwei Grenzbeamte an Bord, zwei Fischer bringen die Kollegen (alle bekommen Bier) und schnell sind die Formalitäten erledigt. Zum Abend rudern wir an Land! Auf der Insel leben ca. 30 Fischer mit Familie unter einfachsten Bedingungen. Aus Treibholz zusammen gezimmerte Hütten, Zelte oder auch nur abgespannte Planen…

Dazwischen eine große Zahl von Leguanen, die die reichlich vorhandenen Abfallhaufen durchstöbern. Wir begrüßen alle (also die Menschen), machen einen Inselspaziergang und trinken Malzbier (was anderes gibt es hier nicht). Dann haben wir alles gesehen und es geht zurück an Bord.

Der nächste Tag ist ausgefüllt mit den üblichen kleineren Reparaturen, außerdem ist auch noch etwas Schlaf nachzuholen. Das lange Aufkreuzen in Richtung Osten war doch recht kräftezehrend.

 

03.06.2019

Wir wollen weiter nach Barahona. Wieder einmal 53 Meilen gegen den unbarmherzigen Ostnordostwind. Früh ziehen wir den Anker, zum Kap Beata halten wir wegen der zu erwartenden Starkwinde (Kapeffekt!) reichlich Abstand und dann werden wir wieder von der ungemütlichen Welle kräftig durchgeschüttelt.

Eigentlich sollte der Wind gegen Mittag auf Südost drehen! Dies tut er jedoch erst zum späten Abend. Da haben wir schon tapfer den gesamten Weg aufgekreuzt…

Der Anker fällt bei Dunkelheit vor der Stadt. Die Einfahrt in die stadtnahe Ankerbucht über eine betonntes Fahrwasser heben wir uns für den nächsten Tag auf. Da bereits die Position der ersten Tonne nicht mit unserer Karte übereinstimmte, ist dies für den heutigen Tag zu viel Abenteuer!

 

04.06. – 07.06.2019

Am neuen Liegeplatz scheint die Staatsmacht bereits auf uns gewartet zu haben. Kaum ist der Anker unten, sind schon 3 Beamte an Bord. Dies ist jetzt wohl das offizielle Einklarieren, was dann auch 154 Dollar kostet. So viel Geld haben wir nicht an Bord, also fährt ein freundlicher Beamter mit mir auf dem Moped zur Bank und auch dieses Problem ist gelöst. Selbiger wird dann auch zwei Tage später sich um unsere Schmutzwäsche kümmern:. Was für ein Service…

Barahona ist ein Einkaufsparadies. Wir bekommen in kleinen Lädchen fast alles, was wir irgendwie noch besorgen mussten. Frisches Obst und Gemüse wird überall auf der Strasse unheimlich billig angeboten. Und eine solche Vielfalt hatten wir schon Monate nicht mehr. Toll, dass man sich darüber wieder so freuen kann.

Das Leben hier ist wild und laut und bunt! Wir spüren schnell, dass wenigstens am Tage keine Gefahr droht und genießen den Tumult.

Auch ein weiteres Problem löst sich fast von alleine. In einem Cafe´ lernen wir Steve aus Australien kennen. Er liegt mit seinem Boot in der Marina vor unserem Ankerplatz. Wir kommen zufällig auf unser Kühlschrankproblem zu sprechen. Dieser (der Kühlschrank) hatte vor ein paar Tagen seinen Kühldienst quittiert und nun fehlte es an kaltem Bier! Zum Beispiel!

Steve ist Kühltechniker und löst unser Problem (an welchem sich der Bordmaschinist lange Zeit erfolglos versucht hatte) in einer halben Stunde! Ist dies das Glück? Jaaaa!

Wir wollen nun auch das Land etwas mehr kennen lernen und fahren mit Jose, unserem Fahrer, zum Largo Enriquillo, einem riesigen Salzwassersee an der Grenze zu Haiti. Neben einer reichhaltigen Vogelwelt gibt es hier auch Krokodile. Vom Motorboot aus beobachten wir diese ganz aus der Nähe. Aufregend!

Auch die Fahrt quer durchs Land ist aufregend. Mehrfach Militärkontrollen passierend sehen wir viel vom Leben auf dem Lande. Wir spüren das Bemühen der Menschen, ihr Leben zu verbessern. Überall wird gearbeitet, die Strassen und die Häuser sind intakt und das Land wird zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt. Erstmals in der gesamten Karibik sehen wir Windenergieparks. Warum auf den wind- und sonnenreichen Karibikinseln der Strom ansonsten mit lauten Dieselgeneratoren produziert werden muss, haben wir nie verstanden.

Eine weitere Überraschung wartet in unserer leider sehr zugemüllten Ankerbucht auf uns: Drei Seekühe grasen den Boden ab und sind immer mal wieder an der Wasseroberfläche zu sehen. Große Begeisterung seitens der Tierfreunde des Segelbootes Esmeralda!

Zwei Tage später fahren wir gemeinsam mit Brandy (ist tatsächlich ein weiblicher Name) und Beau – zwei netten Amerikanern, die neben uns ankern- nach San Rafael. Hier wird ein Fluss, bevor er ins Meer fließt, durch mehrere Bassins geleitet.

In traumhaft schöner Landschaft genießen wir mal wieder das Bad in – zwar recht kaltem – Süsswasser!

Zum Abschluss kaufen wir noch Geschmeide: Hier in der Nähe wird ein blauer Halbedelstein namens Larimar abgebaut und zu schönem Schmuck verarbeitet.

Große Begeisterung insbesondere seitens der weiblichen Crewmitglieder!

 

08.06.2019

Wir haben bereits gestern im Marineoffice ausklariert. Ähnlich wie in Kuba muss man in der Dominikanischen Republik in jedem Hafen sich irgendwie an- und abmelden bei den Behörden.

Gegen den Wind geht es weiter nach Las Salinas. Die Windsteuerung nimmt uns einen Teil der Arbeit ab und so herrscht Frohsinn an Bord. Abends ankern wir in der Bucht. Musik aus zwei bis drei Richtungen -> wir sind es mittlerweile gewohnt!

09.06.-15.06.2019 Las Salinas

Was für eine Woche! Eine gute Mischung aus Spannung, Sport und vielen tollen Erlebnissen.


Wir sind begeistert von der Dominikanische Republik. Dafür, dass es das zweitgrößte aber auch zweitärmste Land der Karibik ist, haben wir hier viel Positives erlebt. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Menschen arbeitet wollen und das ganze Land sich entwickelt. Angefangen bei Windrädern, die wir sonst noch nirgends erblickt haben, bis hin zu dem Versuch der Mülltrennung. Es wird nach Pappe, Plastik und Biomüll sortiert. Zugegeben, viele Menschen leben danach noch nicht und die Müllberge an den Straßenrädern sind vorhanden, aber hier wurde wenigstens ein Anfang geschaffen.

Das Angebot an Obst und Gemüse ist umwerfend und schmeckt fantastisch und das auch noch zu fairen oder, besser gesagt, zu günstigen Preisen.

Auch die Menschen begeistern uns.

Ohne Probleme werden wir mit unserer Gasflasche im öffentlichen, aus allen Nähten platzenden Bus mitgenommen.

Beim Versuch unsere Gasflasche füllen zu lassen, standen uns 4 Einheimische zur Seite. Wir hatten keinen passenden Adapter, der Ladenbesitzer leider auch nicht und die zwei rumstehenden Kunden schon gar nicht. Dafür bot sich der eine Kunde an, uns und die Gasflasche auf seinem Moped mitzunehmen, um es im nächsten Geschäft zu versuchen. Schlussendlich konnte man uns dort auch nicht helfen, aber die Hilfsbereitschaft überwältigt uns.

Freundschaft schließen wir mit einer älteren Dame. Jeden Abend kommt sie zum Angeln an unseren Steg. Aus ihrem Garten bringt sie uns jedes Mal zuckersüße Mangos mit. Und nicht nur das! Das andere Mal kommt sie mit einem Geschenk. Eine kleine Puppe und ein Kaffeetässchen, liebevoll eingepackt in einer Yves Rocher Tüte. Wir sind zu Tränen gerührt. Die Frau hat doch selber nichts.

 

Unseren Bootsnachbarn Louis haben wir ebenfalls ins Herz geschlossen. Ein eher untypischer Dominikaner. Weltgewandt und gut situiert. Mit hilfreichen Tipps steht er uns zur Seite. Und nicht nur das! Er chauffiert uns einen Tag lang durch die Gegend und wir können von unserer langen To-do- Liste einiges abarbeiten. Wir können unserer Vorräte nicht nur mit so banalen Dingen wie Rum, Bier und Nahrungsmitteln aufstocken, nein, wir bekommen ebenfalls außergewöhnliche Sachen wie z.B. ein Cover fürs Dinghy oder eine Tauchflasche für den lieben Stefan besorgt. Wir Glückskinder! Ohne Dolmetscher, nur mit den Fahrrädern oder öffentlichen Verkehrsmitteln, wäre diese Aufgabe unlösbar gewesen.

Unseren Sport konnten wir in dieser Woche auch etwas mehr ausüben. Unsere Fahrräder fuhren uns zu der einzigartigen Dunes de Bani, die einzige Wüste der Karibik und in die umliegenden Ortschaften. Schnell werden wir zur Attraktion des Ortes. Wer fährt hier schon freiwillig Fahrrad?

Den Pico Duarte (3175 Meter), höchste Berg der Karibik haben wir nun leider nicht mehr geschafft zu besteigen. Das nächste Mal bestimmt!