30.08.2018

Pünktlich um 8 Uhr bringt uns der Steward die Morgenzeitungen und den Kaffee. Wir kurbeln das Abteilfenster herunter und halten den Kopf hinaus: Kein Regen, Wärme, Sonne: Das muss Frankreich sein! Ein Blick nach oben bestätigt uns das: Unter der rechten Saling weht stolz die Tricolore als Gastflagge. Die Mannschaft hatte es leicht; gestern wurde gegen 9 Uhr der Anker gehoben und England verlassen. Danach ging es mit einem angenehmen achterlichen Wind der Bretagne entgegen. Wenig Schiffsverkehr, dagegen um so mehr Delphinverkehr. Fast schon inflationär begleiten uns beinahe beständig Delphine. Auch in der Nacht beim Spaziergang auf das Vorschiff werden die Gesellen eher zufällig entdeckt. Was so ein Boot wohl so interessant macht? Man mag in diesen nüchternen Zeiten nicht glauben, dass Spieltrieb oder Menschenliebe die Triebkraft sind. Vermutlich stellt es einen Vorteil bei der Jagd nach Nahrung dar? Oder sehen sie in dem Boot den Oberdelphin, welchem sie sich gerne anschließen? Wir haben jedenfalls unsere Freude an dem Treiben…

Mittags legen wir in Camaret-sur-Mer an, freuen uns an dem bunten Trubel in der Stadt und an den tatsächlich erstmals wirklich sommerlichen Temperaturen.

31.08.-02.09.2018

Wir genießen das französische Leben! Fahrradtouren, Strandleben, guter Wein. Auch für die üblichen Reparaturen am Boot ist Zeit. Vor allem wegen seiner unvergleichlichen Freundlichkeit werden uns die 2 Monate in England/Schottland in guter Erinnerung bleiben. Aber Frankreich bietet denn auch mal wieder Neues und dies bei angenehmen Wetterbedingungen. Wir lernen auch hier Menschen kennen, die uns viel von sich und ihrem Leben erzählen. In Anbetracht der Vergangenheit und der vielen Flakstellungen und Bunker als deutsche Hinterlassenschaft, die wir alleine im nahen Umfeld auf dem Kap beim Joggen sehen, ist dies ein großes Glück für uns.

03.09.2018

 

Aus dem Gefühl heraus, wieder weiter zu müssen, legen wir in Camaret-sur-Mer ab und segeln bei anfänglich nur leichtem Wind dicht an den Felsen des Pointe du Toulinguet vorbei. Später nimmt der Wind freundlich zu und wir erreichen bald den Pointe du Raz. Hier trifft der achterliche Wind einen kräftigen Gegenstrom, was das Boot wild ins Taumeln bringt. Trotz rauschender Fahrt durch das Wasser beträgt die Fahrt über Grund zeitweise nicht mal einen Knoten. So scheint die zum Leuchtturm ausgebaute Untiefentonne westlich des Kaps eine längere Zeit förmlich mit uns mitzukommen. Doch irgendwann ist dieser unangenehme Zustand vorbei und wir rauschen wieder unserem Ziel Audierne entgegen. Die Stadt liegt an der Mündung des Flusses Goyen. Der Hafen befindet sich etwas flussaufwärts und kann nur zu Hochwasserzeiten erreicht werden. Da wir etwas zu früh dort ankommen, ankern wir noch für eine Stunde in der Bucht und erreichen mit dem letzten Tageslicht den letzten Liegeplatz im Hafen.

 

04.-05.09.2018

 

Während in Camaret noch wenig touristisches Leben zu beobachten war, ist Audierne und vor allem die Umgebung herbstlich ruhig. Abgesehen von einigen deutschen Urlaubern sieht man ansonsten kaum Badegäste. Die Stadt selbst hat zu ihrem normalen Leben zurückgefunden, was wir sehr angenehm finden. Mit den Fahrrädern ziehen wir ins nähere Umfeld, besuchen das wunderschöne Pont-Croix flussaufwärts, pflücken Weintrauben, besichtigen die vielen hübschen alten Dorfkirchen. Alle Orte sind fast menschenleer: Gut, keine Urlauber, aber wo sind die Einheimischen?

Am 6.September soll es nun in Richtung Spanien gehen. Der Wetterbericht ist günstig; über 300 Meilen durch die Biscaya liegen vor uns! Wir melden uns später wieder.