Die Orkney´s empfangen uns mit Gewitter. Mit Gewitter und starkem Regen. Trotzdem legen wir am 27.7. gegen Mittag wohlbehalten, aber sehr müde, in Kirkwall an. Die Nacht war sehr unruhig gewesen: Das Boot rollte stark bei kräftigem achterlichen Wind, so dass der Nichtwachhabende kaum zum Schlafen kam. Die Sportfreunde vom Segelschiff Filou legten, von Dänemark kommend, bereits am Morgen an. Wir sind froh, dass sie die Nordseequerung gut überstanden haben. Es gibt ein gemeinsames Frühstück, danach wird geschlafen.

Da der Wetterbericht für Sonnabend Dauerregen prophezeit und am Sonntag Starkwind angesagt ist, mieten wir gemeinsam ein Auto und erkunden die Hauptinsel! Neben einer Führung in der Whiskybrennerei „Scapa“, besuchen wir steinzeitliche Ausgrabungen, dann noch steinzeitliche Ausgrabungen und zum Schluss steinzeitliche Ausgrabungen. Es gibt nur wenige geschichtliche Zeugen für den Zeitraum zwischen der Steinzeit und der Beinahe-Jetztzeit.

Wir stehen nachdenklich an der Bucht Scapa Flow, wo  nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg die Reste der deutsche Flotte interniert waren. Diese versenkte sich hier eigenständig im Jahre l9l9. Noch heute liegen Wracks in großer Tiefe. Nur Wenige wurden gehoben.

Um diese „Schande“ wettzumachen, wurde auf Befehl der Heeresleitung Günter Prien im Oktober 1939, also kurz nach Kriegsbeginn, mit seinem U-Boot U47 nach Scapa Flow geschickt, welcher hier die „Royal Oak“ versenkte und auch wieder entkommen konnte. Über 800 Seeleute fanden den Tod! Das Wrack liegt noch heute auf dem Grunde des Meeres.

Um  zukünftig U-Bootangriffe hier zu verhindern, befahl Churchill den Bau von Barrieren: Anfänglich wurden Schiffe in den Zugängen zu Scapa Flow versenkt, später mussten italienische Kriegsgefangene Dämme zwischen den Inseln bauen. So kann man heute mit dem Auto die südlichen Inseln der Orkney´s über diese Dämme befahren.

Während die Inseln bei Regen und Nebel nur grau in grau wirken, entsteht bei auch mal vorherrschendem Sonnenschein ein mediterranes Ambiente. Palmen, Aloe-Gewächse und durchaus auch Blumen.

Am 30.7. legen wir bei immer noch kräftigen Winden über 20 Knoten in Kirkwall ab und quetschen uns, nur mit gereffter Genua bekleidet, durch die engen Wasserwege zwischen den Inseln ins offene Meer. Der mitschiebende Gezeitenstrom lässt  Geschwindigkeiten teilweise im zweistelligen Bereich aufkommen; das Wasser wirft sich manchmal in Form von chaotisch querschlagenden Wellen auf. Wir erreichen am Abend Stromness, welches bei Sonne am Hang liegend regelrecht lieblich erscheint. Heute nun wollen wir die Orkney´s verlassen und südwestlich zu den äußeren Hebriden aufbrechen.