Ghostbusters in Lowestoft

Wir haben Harwich  mit dem Abendhochwasser verlassen. Das Morgenhochwasser erschien hier um 03:29 Uhr, was uns zu früh war. Dementsprechend war das abendliche Hochwasser relativ früh am Nachmittage bereits und die Zeit reichte, um bis nach Lowestorf in den Abendstunden zu gelangen. Lowestorf: liebliche Wiese! Nun ja, wir liegen zwar im Royal Norfolk & Soffolk Yachtclub, aber die Umgebung ist doch eher proletarisch, dem Arbeitsleben gewidmet! Der Liegeplatz kostet nun gleich 32 Pfund, dafür sind aber die Wasserhähne aus Marmor und die Toiletten aus purem Gold. Oder umgekehrt…

Dafür war die Küche im Club („Bitte nicht mit nasser Kleidung betreten!“) trotz dessen, dass wir die Galauniform des Hafens Gager trugen, nicht mehr für uns geöffnet! Wir behalfen uns mit Chips und Bier. Letzteres wurde von der Brauerei „Becks“ sicherlich nach langjährigem Forschen in den Zustand versetzt, dass es hier nicht als trinkbares Bier auffällt: Wässrig, 4% Alkohol, gänzlicher Verzicht auf Schaum!

 

Vielleicht ein paar Worte zu den Gezeiten (der wissende Leser mag diese Zeilen überspringen):

In den mondnahen Regionen der Weltmeere bilden sich durch die Anziehungskraft des uns umkreisenden Begleiters Wasserberge, welche einen mächtigen, kontinuierlichen Zu- und Abstrom der Wassermassen durch den englischen Kanal wie auch um die nördliche Spitze des Empires zur Folge haben. Da die Nordsee insbesondere küstennah relativ flach ist, entstehen so durch den Zusammenfluss dieser Ströme teilweise nur schwer kalkulierbare Bewegungen, welche es zu beachten gilt. Die Großschifffahrt, welche Geschwindigkeiten bis über 20 Knoten (20 Meilen/Stunde) erreicht, ist hiervon relativ unabhängig. Unser kleines Schiff, egal ob unter Segeln oder angetrieben durch den tapferen Perkins-Diesel, wird hierdurch erheblich in der Geschwindigkeit beeinträchtigt, muss man doch mit Stromgeschwindigkeiten bis zu 6 Knoten (und in wenigen Gebieten, wie z.B. dem Pentland Firth, mit bis zu 14 Knoten) rechnen. Somit ist das Segeln im Gezeitenmeer eine dauerhafte Rechenaufgabe, wobei es – zum Glück- die recht unkalkulierbare Variable „Wind“ noch gibt! Hinzu kommt, dass die Zahl der nutzbaren Häfen an der englischen Ostküste überschaubar ist. Manche Häfen fallen bei Niedrigwasser trocken ( da läge man dann auf der Seite im Schlamm), andere bieten nicht genug Wasser unterm Kiel für die für uns notwendigen  1,80  Meter! Dann gibt es noch Barren vor manchen Häfen, die nur bei Hochwasser zu überfahren sind und so weiter und so fort. Jeder Törn nordwärts bedarf einer gewissen Planung und der „Reeds“ avanciert zum mit Abstand meistgenutztem Buch auf dieser Reise. Dieses Standardwerk bietet Gezeitentabellen für die großen Häfen, Korrekturwerte für die Kleineren, gibt Hinweise auf die unterwegs zu erwartenden Strömungsverhältnisse entsprechend dem „Alter“ der Gezeit, wichtige Informationen zu den Häfen und vieles mehr.

 

 

Am 18.6. soll es nun weitergehen. Noch wissen wir nicht genau wohin. Aber auf jeden Fall nordwärts…